Unternehmen / Konsum

Soziales Netzwerk am Start

Nach Medartis und Sensirion will sich auch das soziale Netzwerk A Small World in den kommenden Wochen an der SIX kotieren lassen.

Das Schweizer Börsentableau wird noch umfassender. Das private soziale Netzwerk A Small World will in den kommenden Wochen das Kapital öffnen und Anteile an der SIX kotieren lassen. Die Transaktion wird gemäss Mitteilung vom Dienstag als direktes Listing geplant, nicht als klassischer Börsengang (IPO, Initial Public Offering). Neue Aktien sollen keine emittiert werden. A Small World ist eine in Zürich beheimatete Kleinfirma und zählt derzeit rund dreissig Mitarbeiter sowie 28’000 Mitglieder.

Das Unternehmen erlangte in den Nullerjahren als «Facebook für Millionäre» einen gewissen Bekanntheitsgrad. Heute betreibt es eine Online-Plattform, organisiert Events und Reisen. Die hauptsächliche Einnahmequelle sind Mitgliedergebühren. Das Netzwerk will sich nicht mehr so exklusiv positionieren: «Wir richten uns nicht an das obere 1%. Wir wollen interessante Leute mit internationalem Hintergrund anziehen», sagt CEO Jan Lüscher zu «Finanz und Wirtschaft».

Schillernder Ankeraktionär

Hinter dem Unternehmen steht Patrick Liotard-Vogt. Er ist Ankeraktionär und amtiert als VR-Präsident. Er hat in der Vergangenheit als Jetsetter, Erbe von Nestlé-Anteilen und mit Betreibungsproblemen für Schlagzeilen gesorgt. Liotard-Vogt hatte das 2004 gegründete Unternehmen 2009 von Skandal-Filmproduzent Harvey Weinstein übernommen und 2013 neu lanciert. Heute befinden sich rund 40% des Aktienkapitals im Streubesitz, 60% sollen in den Händen von ASW Capital bleiben, einem Finanzvehikel, das von Liotard-Vogt kontrolliert wird. ASW Capital hat sich verpflichtet, bis März 2020 mindestens mit 50% im Unternehmen engagiert zu bleiben.

A Small World plant den Gang an die Börse ohne die Unterstützung einer Investmentbank, sondern lediglich mit der Hilfe einer Anwaltskanzlei. Dieses Vorgehen ist bei einem Listing nicht unüblich. Dadurch könnten auch Kosten gespart werden, sagt Lüscher, der seit Ende 2016 als CEO amtiert. Zum geplanten Preisbildungsprozess sagt er: «Wir werden den Referenzpreis auf Basis der letzten Finanzierungsrunde im Jahr 2017 festlegen.»

Das Unternehmen gibt noch keine finanziellen Details preis. Der Umsatz von A Small World dürfte sich nicht höher als im einstelligen Millionenbereich bewegen. Darüber, ob das Unternehmen profitabel arbeite oder signifikant verschuldet sei, will man sich nicht äussern. «Wir haben eigentlich genug finanzielle Mittel», sagt Lüscher, doch Akquisitionen und Wachstum seien als private Gesellschaft schwieriger zu finanzieren, führt er mitunter als Gründe für das Listing an.

Preisfindung anspruchsvoll

A Small World will einen aggressiven Wachstumskurs fahren und den Umsatz bis 2022 jährlich deutlich steigern. «Wenn wir schneller wachsen wollen, können wir als kotiertes Unternehmen schneller auf Kapital zurückgreifen», sagt Lüscher, der zuvor für die Consulting-Firma Bain gearbeitet hat. Die Aktien sollen für Anleger interessant sein, die an einer Wachstumsstory teilhaben oder ihr Portfolio diversifizieren wollen, schiebt er nach.

Das Leben von kleinstkapitalisierten Unternehmen ist an der Börse nicht einfach. Die SIX schreibt eine Mindestkapitalisierung der sich im Publikum befindenden Papiere von 25 Mio. Fr. vor. A Small World dürfte sich in diesem Bereich bewegen. Die geringe Liquidität von Micro-Cap-Titeln und das Fehlen der Abdeckung durch Finanzanalysten machen die Valoren für institutionelle Investoren wenig attraktiv. Auch eine adäquate Preisfindung ist ohne Bankbegleitung anspruchsvoll. In der Einhaltung der Reporting- und Publizitätspflichten sieht das Unternehmen indes «keinen grossen Mehraufwand».