Unternehmen / Schweiz

ABB-Chef reist doch nach Saudi-Arabien

Ulrich Spiesshofer und auch Siemens-Chef Joe Kaeser reisen trotz Kritik wegen des ermordeten Journalisten Khashoggi an die Konferenz nach Riad.

(Reuters) Trotz der internationalen Kritik an Saudi-Arabien nimmt ABB-Chef Ulrich Spiesshofer am Montag an der Konferenz «in-Kingdom Total (FP 49.06 0.3%) Value Add (iktva)» für Zulieferer von Saudi Aramco in Dammam am Persischen Golf teil. Im Oktober hatte er seine Reise nach Riad noch abgesagt. Nun erklärte das Unternehmen, er werde in dem Königreich eine ABB-Fabrik besuchen. Zudem treffe er Vertreter von Saudi Aramco, einem der wichtigsten Kunden in der Region. ABB (ABBN 19.59 -0.91%) hofft, weitere Aufträge zum Aufbau der Infrastruktur in dem Land zu ergattern. Einer mit der Situation vertrauten Person zufolge nimmt Spiesshofer an der Eröffnung der Konferenz teil, tritt aber nicht als Sprecher auf. ABB betreibt dort eine Fabrik mit 200 Mitarbeitern, in der Hochspannungs-Schaltanlagen produziert werden. Insgesamt beschäftigt ABB in Saudi-Arabien rund 1600 Menschen.

Auch Simens-Chef Joe Kaeser reist nach Riad. Ein Sprecher des Münchner Industriekonzerns bestätigte am Sonntag Kaesers Teilnahme an der Konferenz. Kaeser treffe sich in Saudi-Arabien nur mit Vertretern des Unternehmens. Mit Regierungsvertretern werde er nicht zusammentreffen. Kaeser sei ohnehin auf einer Reise in den Nahen Osten, wo er auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten Kunden und Geschäftspartner treffen werde.

Vor vier Wochen hatte auch Kaeser seine Reise zu einer von der Regierung des Ölstaates ausgerichteten Investoren-Konferenz in letzter Minute abgesagt. Kurz zuvor hatte Saudi-Arabien nach wochenlangen Dementis eingestanden, dass der regierungskritische Journalist Jamal Khashoggi im Konsulat des Königreichs in Istanbul getötet wurde. Sein Rückzieher sei «die sauberste, aber nicht die mutigste Entscheidung» gewesen, schrieb Kaeser damals auf dem Karriereportal LinkedIn. Er habe lange mit sich gerungen hinzufahren und das Thema Khashoggi auf der Konferenz anzusprechen. Siemens (SIE 100.2 -0.24%) ist ein wichtiger Auftragnehmer der saudi-arabischen Regierung und baut unter anderem an der U-Bahn in der Hauptstadt Riad. Bis 2030 sieht der Münchner Konzern, der in dem Land 2000 Mitarbeiter beschäftigt, Chancen auf weitere Aufträge im Volumen von 30 Mrd. $.

Saudi Aramco geht nach Angaben eines Unternehmensvertreters davon aus, am Rande der Konferenz 30 Abkommen mit in- und ausländischen Firmen im Volumen von 25 Mrd. $ unterzeichnen zu können.

Mehrere Länder haben wegen des Todes des regimekritischen Journalisten Khashoggi Sanktionen gegen Saudi-Arabien verhängt. Laut Medienberichten wirft der US-Geheimdienst CIA Kronprinz Mohammed bin Salman vor, die Ermordung Khashoggis angeordnet zu haben. Saudi-Arabien weist jede Verstrickung des Königshauses zurück.

Leser-Kommentare

Kornelius Hug 26.11.2018 - 15:04

Buh. Zum Glück habe ich keine Aktien von diesen Firmen. ABB? Schade, dass viele Manager nicht realisieren, dass von Ländern wie Saudi-Arabien für unsere Gesellschaft die grösste Gefahr ausgeht. Da helfen die erwirtschafteten Profite nicht mehr viel.