Unternehmen / Schweiz 07:25 - 04.04.2017

ABB kauft in Österreich zu

Der Industriekonzern übernimmt die österreichische Firma B&R mit einem Umsatz von mehr als 600 Mio. $. ABB kann mit dem Kauf eine Lücke in ihrem Automationsangebot schliessen.
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Fachbegriffe
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
CEO
Angelsächsische Kürzel für Unternehmenschef (Chief Executive Officer), Leiter der Finanzabteilung (Chief Financial Officer), Leiter Anlagestrategie (Chief Investment Officer) sowie Leiter operatives Geschäft (Chief Operating Officer), die gemeinsam die Geschäftsleitung bilden.

(AWP/Reuters/MG) Der Industriekonzern ABB (ABBN 23.17 1.94%) kauft den österreichischen B&R-Konzern. Dadurch werde der Bereich Industrieautomation gestärkt, teilt ABB am Dienstag mit. B&R erzielt derzeit laut den Angaben mit 3000 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 600 Mio. $. Mittelfristig sollen die Verkäufe auf über 1 Mrd. $ gesteigert werden.

Der Kaufpreis, den ABB an die beiden Firmengründer und alleinigen Besitzer entrichtet, wird nicht bekannt gegeben. Es handle sich jedoch um eine «branchenübliche Bewertung» heisst es. Die Transaktion werde aus Barmitteln finanziert. ZKB-Analyst Richard Frei schätzt den Kaufpreis auf 1 bis 1,1 Mrd. $, sein Kollege Panagiotis Spiliopoulos von Vontobel (VONN 57.1 -0.09%) auf 1,6 bis 1,7 Mrd. $.

ABB erhofft sich den Abschluss der Übernahme im Sommer 2017. Sie soll schon im ersten Jahr positive Auswirkung auf den operativen Gewinn je Aktie haben. Der Hauptsitz von B&R im österreichischen Eggelsberg soll danach zu ABBs globalem Zentrum für Maschinen- und Fabrikautomation werden, teilt die Gesellschaft weiter mit. Mit der Übernahme baue ABB die führende Rolle in der Industrieautomation aus und sei ideal positioniert, um die Wachstumschancen der Vierten Industriellen Revolution zu nutzen.

B&R (Bernecker + Rainer Industrie-Elektronik GmbH) ist laut der Mitteilung der weltweit «grösste unabhängige Anbieter mit Fokus auf produkt- und softwarebasierten offenen Lösungen für die Maschinen- und Fabrikautomation». Die Firma wurde 1979 von Erwin Bernecker und Josef Rainer gegründet.

«Diese Transaktion ist ein wahrer Meilenstein für ABB, da B&R die historische Lücke in ABBs Automationsangebot schliesst», lässt sich CEO Ulrich Spiesshofer zitieren. «Wir passen perfekt zusammen: Künftig werden wir das einzige Unternehmen sein, das seinen Industrieautomationskunden das gesamte Spektrum an Technologie- und Softwarelösungen rund um Mess- und Steuerungssysteme, Antriebe, Robotik, Digitalisierung sowie Elektrifizierung anbietet», fügt er an.

In der Industrieautomation kommen ABB und B&R gemeinsam auf einen Umsatz von rund 15 Mrd. $. Marktführer ist Siemens (SIE 125.35 -0.52%), die Nummer drei ist Emerson aus den USA. ABB wird mit der Transaktion eigenen Angaben zufolge der einzige Anbieter, der das ganze Spektrum in der Industrieautomation abdeckt.

B&R ist in den letzten Jahren dazu übergegangen, Endkunden wie Nestlé (NESN 75.7 0.13%) oder BMW (BMW 84.93 1.01%) direkt mit Fabrikautomationsgeräten und Software zu beliefern. Damit verstärkt sich ABB in Branchen wie Nahrungsmittel oder Autobau und kann die bisherige Abhängigkeit von der Öl- und Gasindustrie verringern, die zuletzt nur zögerlich investiert hat. Vontobel-Analyst Spiliopoulos betrachtet den Kauf denn auch als «klugen strategischen Schachzug». B&R schliesse eine Lücke im Produktpotfolio von ABB und füge sich gut in die digitale End-to-End-Lösungsplattform ABB Ability ein.

Die komplette Historie zu ABB finden Sie hier. »

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