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AbbVie will Allergan kaufen

Megadeal im US-Gesundheitssektor: Rund 63 Mrd. $ bietet der Pharmakonzern für den Botox-Hersteller.

(Reuters) Die Pharmabranche steht vor einem neuen Mega-Deal: Der US-Biotechkonzern Abbvie will den Botox-Hersteller Allergan für rund 63 Mrd. $ schlucken. Durch den Zukauf entstünde ein Unternehmen mit einem gemeinsamen Umsatz von zunächst etwa 48 Mrd. $, teilten beide Seiten am Dienstag mit.

Abbvie würde damit seine Abhängigkeit vom Rheuma-Mittel Humira verringern. Das umsatzstärkste Medikament der Welt war über Jahre der Wachstumstreiber für den Konzern, verlor im vergangenen Herbst aber seinen Patentschutz. Allergan ist vor allem für seine Produkte im Bereich medizinische Ästhetik bekannt und auf dem Gebiet Weltmarktführer.

Neben Botox bietet das Unternehmen auch Gesichtsfiller mit Hyaluronsäure zur Faltenglättung oder Lippenunterspritzung an – ein boomender Markt. Der Abschluss des Deals ist bis Anfang 2020 geplant, wenn die Behörden mitspielen.

In der Pharmaindustrie kam es in den vergangenen Jahren zu mehreren milliardenschweren Deals. Anfang dieses Jahres kündigte Bristol-Myers (BMY 47.7539 0.62%) Squibb die Übernahme von Celgene für 74 Mrd. $ an – das wäre der grösste Zukauf, den die Branche je gesehen hat. Die japanische Takeda schloss im Januar zudem die Übernahme von Shire für 59 Mrd. $ ab.

Erst in der vergangenen Woche bot Pfizer (PFE 34.7836 -1.13%) 10,6 Mrd. $ für den Krebsspezialisten Array Biopharma. Der US-Pharmariese hatte es vor einigen Jahren selbst auf Allergan abgesehen, Pfizer scheiterte 2016 aber mit seiner 160 Mrd. $ schweren Offerte wegen einer Verschärfung der US-Steuergesetze.

Nun haben Allergan und Abbvie zusammengefunden. Nach Abschluss der Transaktion sollen die Anteilseigner von Abbvie etwa 83% und die Allergan-Aktionäre rund 17% an dem fusionierten Unternehmen halten. An der Börse wurde das Vorhaben nur von einer Seite bejubelt: Während die Aktien von Abbvie zu Handelsbeginn an der Wall Street um rund 8% fielen, sprangen die Titel von Allergan um mehr als 31% in die Höhe.

«Ein ordentlicher Aufschlag»

Allergan-Vorstandschef Brent (Brent 60.25 1.12%) Saunders dürfte das gefallen. Erst im Mai hatte er erklärt, das Unternehmen prüfe alle Optionen, um seinem Aktienkurs wieder auf die Sprünge zu helfen. Denn seit der gescheiterten Übernahme durch Pfizer hatte sich der Börsenwert von Allergan nahezu halbiert – und das Unternehmen war zunehmend ins Visier aktivistischer Investoren geraten.

Aber auch Abbvie stand zuletzt unter Druck. In Europa bekommt das Unternehmen bereits Konkurrenz durch günstigere Nachahmerversionen von Humira zu spüren. In den USA, dem wichtigsten Markt, läuft das Patent dann 2023 ab. Abbvie setzte mit Humira – das auch zur Behandlung von Schuppenflechte und Morbus Crohn eingesetzt wird – im vergangenen Jahr knapp 20 Mrd. $ um, das sind gut 60% des Konzernumsatzes.

Mit weitem Abstand folgen Arzneien zur Behandlung von Krebs und Hepatitis. Analyst Maxim Jakobs von Edison Investment Research sagte, Abbvie sichere sich mit dem Deal eine Reihe von Produkten, mit denen das Unternehmen die Abhängigkeit von Humira verringern könnte. «Im Gegenzug erhalten Allergan-Aktionäre einen ordentlichen Aufschlag auf einen unglaublich niedrigen Aktienkurs.»

Die Anteilseigner von Allergan sollen je Aktie 0,8660 AbbVie-Papiere und 120.30 $ in bar bekommen. Das entspricht gemessen am jüngsten AbbVie-Aktienkurs – vor Bekanntgabe des Deals – einem Preis von 188.24 $ je Anteilsschein. Am Montag waren Allergan mit 129.57 $ aus dem Handel gegangen.

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