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Absicherung für Hypotheken und AnleihenDie Zinsen in der Schweiz befinden sich auf historischen Tiefst – Zinsänderungsrisiken können mit Swaps abgesichert werden

Thomas Maurer

Thomas Maurer

Wer kann sich noch erinnern? 1990 betrug der Dreimonatslibor in Franken 9% und die durchschnittliche Obligationenrendite von Finanzunternehmen 8%. Die Zinsen waren nach einer grosszügigen Liquiditätszufuhr der Schweizerischen Nationalbank SNB zwischen 1987 und 1988 zur Einführung des Swiss Interbank Clearing System (SIC) kräftig gestiegen und führten zum Platzen der Immobilienpreisblase Anfang der Neunzigerjahre.

Die heutigen Frankenzinsen zeigen im Vergleich zu damals jedoch keine Anzeichen für einen Anstieg. Im Gegenteil: Der Dreimonatslibor in Franken hat sich auf rund 0,1% eingependelt (vgl. Grafik). Die fünfjährigen Swapsätze, die als Referenzzinsen für Hypotheken und Anleihen gelten, handeln auf rund 0,5%. Die geringe Differenz zwischen den beiden Referenzwerten zeigt, dass der Frankenmarkt für die nächsten fünf Jahre keine Zinserhöhungen erwartet. Auch der zehnjährige Swapsatz handelt nur auf rund 0,9%.

Zinsanstieg nicht erwartet

Rechnet man aus den gegenwärtigen Marktzinsen die implizierten Sätze des Dreimonatslibors für die nächsten dreissig Jahre, wird kein höherer Zins als 2,2% antizipiert (vgl. Grafik). Bedenkt man, dass für die Berechnung der Tragbarkeit von Hypotheken ein Zins von 5% verwendet wird, sind die Ängste vor möglichen Verwerfungen am Schweizer Immobilienmarkt übertrieben.

Nichtsdestotrotz hat die Liquiditätszufuhr durch die SNB gewaltige Dimensionen angenommen, für die es keine Erfahrungswerte gibt. Ungewiss ist, was geschehen wird, wenn die Liquidität nicht genügend schnell abgeschöpft werden kann und es zur Inflation kommt. Anleger, die ihr Portefeuille gegen dieses Szenario schützen möchten, sollten sich mit einer Absicherung der Zinsänderungsrisiken beschäftigen. Von diesen Risiken sind Obligationäre und Hypothekarschuldner betroffen.Klettern die Zinsen, steigen Hypothekarschuldner mit Libor- in Festhypotheken um. Schuldner einer noch laufenden Festhypothek können indes Forward-Hypotheken in Betracht ziehen. Beim Abschluss einer Festhypothek zahlt der Hypothekarschuldner nicht nur den fixen Zins, sondern auch einen fixen individuellen Credit Spread (Marge). Sinken die Zinsen und will – oder muss – der Schuldner aus der Festhypothek aussteigen, fallen die Differenz der tieferen Zinsen zuzüglich der individuellen Kreditmarge für die Restlaufzeit an. Vor allem bei Festhypotheken mit langen Laufzeiten kann dies äusserst kostspielig sein.Wenn jedoch die Zinsen steigen, bekommt der Schuldner einen Teil des Gewinns der höheren Zinsen erstattet. Jedoch wird ihm wiederum die Kreditmarge für die Restlaufzeit belastet. Bei einer Marge von 1% müssten die Zinsen somit 1% steigen, bis die Marge abgefangen wird. Der Schuldner kann somit in keinem Szenario zum aktuellen Marktwert aus der Festhypothek aussteigen.Es drängt sich die Option auf, einerseits die Laufzeit der Hypothek frei zu wählen und anderseits den Zins zu fixieren – dies können Hypothekarschuldner mit einem Zinsswap umsetzen. Dabei zahlt der Schuldner einen fixen Zins, bspw. 0,9% jährlich für zehn Jahre, und erhält dafür den Dreimonatslibor in Franken erstattet. Dabei werden nur die Zinszahlungen ausgetauscht (Swap). Die variablen (Floating) Zahlungen aus dem Swap, die der Schuldner erhält, verwendet er, um die Zinsen der Liborhypothek zu tilgen. Somit hat der Schuldner einzig den fixen Zins von 0,9% zu berappen, plus die individuelle Kreditmarge. Liegt sie bei 1%, hat er eine zehnjährige Festhypothek zu 1,9% abgesichert.

Instrumente kombinieren

Mit der Kombination einer Liborhypothek und einer Zinsabsicherung bleibt dem Schuldner im Gegensatz zur Festhypothek die volle Flexibilität, er kann frei bestimmen, ob und wie lange er die Zinsen fixieren möchte. Gleichzeitig muss er keine teuren Prämien bei einem Wechsel oder einem Ausstieg aus der Festhypothek in Kauf nehmen. Steigt der Libor bspw. auf 3%, kann er den Gewinn des Zinsswaps realisieren und fortan von allenfalls sinkenden Zinsen durch die Liborhypothek profitieren. Die Festhypothek hat somit ausgedient.

Anlagen in Zinsswaps sind indes auch möglich, ohne Schuldner einer Liborhypothek zu sein. Verbriefte Instrumente ermöglichen es, Zinsswaps bereits ab Anlagesummen von rund 1000 Fr. an der hiesigen Derivatbörse Scoach zu erwerben. Die Produkte verfügen über Laufzeiten von fünf und zehn Jahren. Mit diesen innovativen Instrumenten kann der Kunde mit geringem Kapitaleinsatz die entsprechenden Zinsrisiken absichern, zudem sind die Produkte von der Hypothekarbank getrennt.

Anleihen absichern

Auch für Obligationäre gelten ähnliche Überlegungen. Zurzeit sind die Frankenzinsen äusserst tief. Investoren, die steigende Zinsen erwarten, können ihr Anleihenportefeuille umstrukturieren, indem sie die Papiere mit fixen Coupons verkaufen und in Bonds investieren, die variable Coupons aufweisen (Floating Rate Notes). Somit können sie von steigenden Zinsen profitieren.

Nun finden sich jedoch selten geeignete Floater am Markt. Aus diesem Grund bietet sich wiederum eine Absicherung mit verbrieften Swaps an. Durch deren Einsatz können fixe in variable Coupons umgewandelt werden: Der Anleiheninvestor verfügt bspw. über ein Bondportefeuille mit einer rund fünfjährigen Laufzeit und einer Rendite von 1,75%. Durch die Laufzeit trägt er das Risiko, wenn die Zinsen um 1% steigen, dass der Portfoliowert um 5% abnimmt. Zahlt der Investor nun wiederum im Swap jährlich 0,25%, erhält er dafür aus dem Swap den variablen Dreimonatslibor in Franken erstattet. So gleicht sich der fixe Ertrag von 1,75% des Bondportfolios und der fixe Swapsatz von 0,25% aus. Es bleibt somit einzig der Wert des Kreditrisikos (Asset Swap) von 1,5% plus die Zahlung des Dreimonatslibors. Entsprechend hat der Anleger ohne teure Umstrukturierung des Bondportefeuilles dieses gegen steigende Zinsen abgesichert. Er wird fortan den Libor plus die Zahlung von 1,5% erhalten (vgl. Grafik). Sein Zinsänderungsrisiko hat er damit von fünf Jahren auf lediglich drei Monate reduziert. Auch in diesem Fall kann der Investor durch den Einsatz von Swaps das Zinsänderungsrisiko mit geringem Aufwand ändern.Aufgrund der tiefen Zinsen bietet sich Hypothekarschuldnern und Obligationären die Möglichkeit, sich durch verbriefte Swaps günstig und einfach gegen Zinsänderungen abzusichern.Die noch unklaren Folgen der von der Schweizerischen Nationalbank herbeigeführten Liquiditätsschwemme können somit in Ruhe verfolgt werden.

Thomas Maurer arbeitet im Structured Products Advisory bei der Bank Julius Bär in Zürich.

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