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Abspaltung von VMWare bringt Dell Milliarden

Der US-Computerriese trennt sich von seiner Cloud-Software-Tochter und bekommt von ihr ein mehr als 9 Mrd. $ schweres Abschiedsgeschenk.

(Reuters) Der US-Computerriese Dell (DELL 98.43 +2.11%) trennt sich von seiner Cloud-Software-Tochter VMWare und bekommt von ihr ein mehr als 9 Mrd. $ schweres Abschiedsgeschenk. Dell Technologies verteilt seinen 81-Prozent-Anteil an seiner derzeit lukrativsten Sparte an die eigenen Aktionäre, wie der PC-Hersteller am Mittwoch (Ortszeit) mitteilte. Damit allein käme noch kein Geld in die Kasse – doch VMWare schüttet im Gegenzug eine Sonderdividende von 11,5 bis 12,0 Mrd. $ aus. 9,3 bis 9,7 Mrd. davon kassiert Dell. Das Geld soll dazu verwendet werden, um den Schuldenberg von 42 Mrd. $ abzubauen, den Dell sich grösstenteils 2016 mit der Übernahme der Daten-Management-Firma EMC (EME 124.78 +1.3%) aufgehalst hat.

Dell hatte sich mit dem Gedanken einer Abspaltung (Spin-off) von VMWare seit Juli 2020 getragen. Die Börsianer reagierten auf die Umsetzung der Pläne euphorisch: Die Dell-Aktie sprang nachbörslich um 8,4%, VMWare legten 1,5% zu. Der von Paul Singer geführte aktivistische Investor Elliott, einer der grössten Dell-Aktionäre, begrüsste die Abspaltung. «Der Schritt ist überfällig», sagte Analyst Dan Ives von Wedbush Securities. Dell hebe damit den Wert, der bisher in dem VMWare-Aktienpaket verborgen sei. Viele Grosskonzerne spalten derzeit Teile ab, weil sie davon ausgehen, dass die Einzelteile an der Börse insgesamt höher bewertet werden als ein Konglomerat.

VMWare-Interimschef Zane Rowe sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Sonderdividende werde zum grössten Teil mit Schulden finanziert. 2,5 bis 3,0 Mrd. $ würden aus der eigenen Bilanz genommen. Das Unternehmen gehe aber davon aus, weiter mit einem Investment-Grade-Rating bewertet zu werden. Dell hofft nach der Abspaltung ebenfalls auf ein solchen Rating, das es mehr institutionellen Anlegern erlauben würde, in Anleihen von Dell zu investieren. Rowe führt VMWare, seit Vorstandschef Pat Gelsinger als Vorstandschef zu Intel (INTC 55.35 +2.48%) gewechselt war.

An der operativen Zusammenarbeit von Dell und VMWare solle sich durch die Trennung nichts ändern. Neue Produkte sollten gemeinsam entwickelt und der Vertrieb aufeinander abgestimmt werden, sagte Rowe. An den Erfolg der Partnerschaft seien auch die Boni des Top-Managements geknüpft. Rowe hofft aber auch, dass VMWare als eigenständiges Unternehmen mit Cloud-Anbietern wie Amazon (AMZN 3'222.90 +1.94%) und Microsoft (MSFT 248.15 +2.11%) mehr ins Geschäft kommt, die mit Dell konkurrieren. «Das gibt uns strategisch viel Flexibilität», sagte Rowe.

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