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Achiko schleicht sich an die Börse

Am Freitag hat sich das indonesische Fintech-Start-up in der Schweiz listen lassen. Vom Kauf ist abgeraten.

Valentin Ade

Der indonesische Zahlungsdienstleister Achiko (ACHI 1.2 -9.77%) hat sich am Freitag überraschend an der Schweizer Börse SIX listen lassen. Vor einem Monat wollte das asiatische Fintech-Start-up bereits seine bestehenden Aktien an den heimischen Handelsplatz bringen, verschob das Vorhaben in letzter Minuten dann aber ohne Angabe von Gründen.

Achiko bietet Indonesiern ohne Bankkonto einen Weg, an zahlungspflichtigen Online-Spielen teilzunehmen. Nutzer können das Geld über Mobiltelefon-Prepaid-Karten, Bankomaten oder Gemischtwarenläden einzahlen. Achiko überweist die Summe dann an die oftmals aus China stammenden Spieleanbieter.

Keine Sorgfaltsprüfung

Achiko brachte ihre 89’632’142 Aktien am Freitag zu 0.70 $ je Titel an die Börse, womit sie auf einen Marktwert von knapp 63 Mio. $ kommt. Im frühen Handel wechselten nur geringe Volumen die Besitzer, dafür allerdings zum rund doppelten Kotierungspreis. Am Unternehmen sind unter anderem der indonesische Medienkonzern MNC, die Risikokapitalgesellschaft SOSV und das Management beteiligt.

Gemäss einer unabhängigen Einschätzung des Beratungsunternehmens Grant Thornton basiert der von Achiko taxierte Unternehmenswert von rund 60 Mio. $ schlicht auf der letzten Finanzierungsrunde. Damals fand laut Grand Thornton eine vernünftige Sorgfaltsprüfung allerdings gar nicht statt.

Gemäss Listing-Prospekt machte Achiko im ersten Halbjahr 2019 bei Einnahmen von 3,6 Mio. $ knapp 1 Mio. $ Verlust, in den vergangenen drei Jahren sah es nicht besser aus. Das Start-up schreibt selbst, dass es nicht davon ausgeht, in absehbarer Zukunft Gewinn zu machen. Auf der Bilanz hat die Gesellschaft vor allem Schulden und Goodwill.

Keinen Kauf wert

«Finanz und Wirtschaft» rät nicht nur deshalb Anlegern von einem Kauf ab. Das Unternehmen befindet sich in einer zu frühen Phase, zudem ist es schwer, aus Schweizer Perspektive den indonesischen und den asiatischen Markt sowie Achikos Stand und Chancen darin zu bewerten.

Das sogenannte Direct Listing an der SIX steht grundsätzlich in der Kritik. Die Börsenbetreiberin arbeitet an einer Reform dieser Art von schnellem Börsengang. Achiko reiht sich in einen Kreis von Unternehmen ein, die bis heute Schwierigkeiten haben, ihre Anwesenheit an der Schweizer Börse zu rechtfertigen.

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