Meinungen

Achtung, Schulden!

Der Mix aus Konjunkturpaket und gedrosselter Liquiditätszufuhr ist für den Markt ein nur schwer verdaulicher Cocktail. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Nicht nur höhere Zinsen, sondern auch verstärkte Inflationsängste sind fast unweigerlich die Folge.»

Wenn etwas Janet Yellen den Schlaf raubt, dann sollte man das ernst nehmen. Ende November hatte die vor wenigen Tagen abgetretene Chefin der US-Notenbank gesagt, die Staatsverschuldung der USA von über 20 Bio. $ sollte alle Amerikaner nachts wach halten. Nicht nur die Höhe, sondern besonders die Entwicklung des Schuldenbergs bereite ihr Sorgen, präzisierte Yellen damals. Die Kritik verpuffte wirkungslos.

Niemand schien sich im November allzu grosse Sorgen um die Verschuldung zu machen. Eigentlich schwer verständlich, denn Yellen ist  nicht irgendwer und schon gar nicht bekannt dafür, einfach mal was daherzureden, ohne sich Gedanken über Konsequenzen und Gewicht einer solchen Aussage zu machen.

Drei Monate und zwei Aktienmarktkorrekturen später ist die Staatsverschuldung bzw. das Haushaltsdefizit  der USA in aller Munde. Das je nach Dauer und Berechnung bis zu 2,1 Bio. $ teure Konjunkturpaket auf der einen und die Steuerreform auf der anderen Seite führen dazu, dass die Ausgaben steigen, die Einnahmen aber gleichzeitig zurückgehen. Deshalb emittiert der amerikanische Staat so viele Treasuries wie selten zuvor. Allein diese Woche waren es über 250 Mrd. $. Die Nachfrage hielt sich in Grenzen, was den Anstieg der Zinsen befeuern dürfte.

Nicht nur höhere Zinsen, sondern auch verstärkte Inflationsängste sind fast unweigerlich die Folge. Die Verschuldung zum Bruttoinlandprodukt – gemessen an den Schulden ausserhalb der öffentlichen Hand – beträgt derzeit 77%. Zuletzt war sie nach Ende des Zweiten Weltkriegs so hoch. Die Verschuldung gekoppelt mit der gedrosselten Liquiditätszufuhr der Notenbanken ist für den Markt ein nur schwer verdaulicher Cocktail.