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Addex biegt auf die Zielgerade ein

Analyse | Nach Jahren der Ungewissheit startet das Pharmaunternehmen demnächst eine zulassungsrelevante Studie für einen Parkinson-Wirkstoff.

Addex Therapeutics hat Halbjahreszahlen im Rahmen der Erwartungen vorgelegt. Das kleine Pharmaunternehmen, das vor dem Aus stand, ist nun auf Kurs, seine erste Phase-IIb/III-Studie zu starten.

Die Vorbereitungen liessen von Januar bis Juni die Forschungsausgaben auf 5,9 Mio. Fr. steigen. In der Vorjahresperiode waren es noch 2,1 Mio. Fr. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 7,5 Mio. Fr. Die flüssigen Mittel betrugen 36,7 Mio. Fr.

Mit einer Aktienkapitalerhöhung konnte Addex in der ersten Hälfte 2018 40 Mio. Fr. beschaffen. Die Mittel sollten reichen, bis die Resultate aus der Studie zu Dipraglurant vorliegen. Das soll im dritten Quartal 2021 der Fall sein, wie Addex am Montag präzisiert hat.

Anfang 2020 werden die ersten Parkinson-Patienten den Wirkstoff erhalten, der gegen Dyskinesien wirkt, teilte das Unternehmen weiter mit. Diese Störungen des Bewegungsablaufs werden durch die Verabreichung von L-Dopa (Levodopa) ausgelöst, das bei der neurologischen Erkrankung oft verschrieben wird. In früheren Studien konnte Dipraglurant die Zahl der Dyskinesien um 30% oder mehr verringern. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.

Mindestens fünf Jahre bis zur Marktreife

Es ist das wichtigste Entwicklungsprogramm von Addex, das Schicksal der Gesellschaft hängt von seinem Erfolg ab. Die anderen Programme befinden sich noch im präklinischen Stadium. Doch auch Dipraglurant dürfte frühestens 2024 auf den Markt kommen, wie CEO Tim Dyer im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» bestätigt. «Wir rechnen damit, dass eine weitere Phase-III-Studie nötig ist», erklärt der Brite, der auch die Schweizer Nationalität besitzt.

Er ist einer der Mitgründer von Addex und hat ab 2013 in der Rolle des CEO dafür gekämpft, dass Addex ein zweites Leben erhält. Der erste Produktkandidat war 2009 gescheitert, die darauf folgende Suche nach einem Pharmapartner für Dipraglurant blieb erfolglos. Die Geschäftstätigkeit musste im Mai 2013 de facto eingestellt werden.

Dyer gelang es zunächst, Gelder von der Michael-J.-Fox-Stiftung zu erhalten, um die Entwicklung von Dipraglurant dennoch voranzutreiben. «Ein Wendepunkt war der Zugang von Roger Mills als Chief Medical Officer», erklärt Dyer. Er hatte bei Acadia einen ähnlichen Wirkstoff bis zur Zulassung geführt und war damit massgeblich dafür verantwortlich, dass sich der Börsenwert des Unternehmens von 30 Mio. auf 5,1 Mrd. $ vervielfacht hatte.

Hoffnung auf eine Wiederholung von Mills’ Erfolg

«Einige Leute haben viel Geld damit verdient», sagt Dyer. Mills’ Wechsel zu Addex habe diese Investoren hellhörig werden lassen. Drei Institutionelle stellten schliesslich im letzten Jahr 40 Mio. Fr. zur Verfügung. Die Bedingung war eine Kotierung des Unternehmens in den USA. Addex hat vergangene Woche angekündigt, American Depositary Shares (ADS) an den Nasdaq zu bringen. Ein entsprechender Antrag sei eingereicht worden.

Der Aktienkurs legte umgehend 20% zu, allerdings von tiefem Niveau aus. Der Börsenwert liegt derzeit immer noch leicht unter 50 Mio. Fr. Einige Beobachter sehen in Dipraglurant Blockbuster-Potenzial, sie rechnen also mit einem Spitzenumsatz von mehr als 1 Mrd. $. Analysten der Zürcher Kantonalbank und von Mirabaud Securities gehen von steigendem Interesse von US-Anlegern an den Beteiligungspapieren aus, sobald die ADS gehandelt werden und die Dipraglurant-Studie beginnt.

Die Addex-Aktie ist als spekulative Beimischung in einem Portefeuille durchaus interessant. Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass wahrscheinlich ein Totalverlust resultiert, falls das Mittel gegen Dyskinesien von Parkinson-Patienten die Zulassung nicht erhält. Mit dem Start der ersten von zwei für die Zulassung nötigen Studien biegt das Unternehmen zwar auf die Zielgerade ein. Das Ziel ist aber noch weit entfernt.

Die komplette Historie zu Addex finden Sie hier.» 

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