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Unternehmen / Finanz

AHV-Geldschatz rentiert 10%

Das Vermögen der Sozialversicherungen ist dank der Rekordperformance auf 36 Mrd. Fr. gewachsen. Die künftige Jahresrendite reicht nicht, um das Vorsorgewerk in Balance zu bringen.

Die Vermögen der Sozialversicherungen AHV, IV und EO von zusammen 36 Mrd. Fr. sind quasi der schweizerische Staatsfonds. Im vergangenen Jahr wurde auf dem investierbaren Teil von 34 Mrd. Fr. netto 10,2% Performance erreicht. Die Scharte der 4%igen Werteinbusse des Jahres 2018 ist damit mehr als ausgewetzt. Zur günstigen Entwicklung hat beigetragen, dass wegen der Zinsbaisse ausser den Aktienkursen auch die Kurse der Obligationen Wert gewannen.

Zwei Drittel des Vermögens sind in Frankenanleihen und meist währungsgesicherten Fremdwährungsobligationen investiert. Eric Breval, Direktor der für das Vermögen zuständigen Bundesanstalt Compenswiss, sagte an der Jahreskonferenz, für neue Geldanlagen seien negativ rentierende Obligationen ausgeschlossen. Auf Bankkonten, wo Compenswiss die für den Rentenzahlungsdienst notwendigen liquiden Mittel konzentriert, hätten 2019 Negativzinsen von rund 4 Mio. Fr. bezahlt werden müssen.

Zusätzlich in Aktien und Immobilien

]Über mehrere Jahre betrachtet, sind die Portfolioanteile von Aktien ausländischer und schweizerischer Unternehmen sowie von Immobilienfonds auf zusammen beinahe 30% des Gesamtvermögens ausgeweitet worden. Weitere 2% entfallen auf sicher verwahrte Goldbarren. Die gesamten Betriebs- und Vermögensverwaltungskosten kamen Compenswiss auf etwa 70 Mio. Fr. zu stehen, was bezogen auf die Vermögensmasse 0,2% ausmacht.

Die Anlagestrategie ist vom elfköpfigen Verwaltungsrat festgelegt, in dem Vertreter der Sozialpartner und des Bundes mit Finanzfachpersonen zusammenwirken. Vizepräsidentin Sandra Gisin betonte an der Jahreskonferenz, die auf Zinspapiere, Aktien, Immobilien und Gold setzende Investmentstrategie werde unverändert fortgeführt: «Dieses Jahr werden wir zudem entscheiden, in welcher Form wir die Nachhaltigkeitsaspekte stärker auf unsere Kapitalanlagen anwenden.» Bislang liege der Fokus darauf, im Dialog mit den Verantwortlichen der im Aktienportfolio enthaltenen Unternehmen auf eine gute Führungsstruktur und die Sorge für Umwelt und Gesellschaft zu pochen.

Gemäss Direktor Breval werden die Stimmrechte der Aktien im Schweizer Portefeuille seit rund 20 Jahren nach intern festgelegten Richtlinien ausgeübt. Aus dem Bestand ausländischer Aktien ausgemerzt seien die Papiere von 19 Unternehmen, die wegen ihrer Aktivitäten auf der Negativliste des Schweizerischen Vereins für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen sind.

Das Gesamtvermögen werde bei Fortführung der aktuellen Anlagestrategie wegen der Niedrigzinslage in den kommenden zehn Jahren im Schnitt nur mehr etwa 1,5% Rendite einbringen, schätzt Breval. Der Compenswiss-Fonds dient als Puffer zwischen monatlichen Beitragseinnahmen der staatlichen Vorsorgeträger AHV/IV/EO und Rentenzahlungen dieser Institutionen.

Die Jahressumme der AHV-Renten ist seit der Jahrtausendwende von 27 Mrd. Fr. um die Hälfte auf 43 Mrd. gestiegen. 2018 stand das Finanzierungsmanko auf 0,6 Mrd. Fr. Dank der zusätzlichen Einnahmen, die das Volk mit der Steuer- und AHV-Vorlage bewilligte, kommt die staatliche Altersvorsorge nur für kurze Zeit ins Lot.

Für höheres Rentenalter gute Gründe

Der Anstieg der Rentensumme ist der zunehmenden Zahl von Rentenbeziehenden geschuldet sowie dem Umstand, dass sie länger Gelder beziehen, als bei der Schaffung des AHV-Systems prognostiziert wurde. Ein im Jahr 2000 neu Pensionierter hatte im Schnitt noch siebzehn Lebensjahre vor sich und kam mit der Durchschnittsrente von 1850 Fr. monatlich auf kumuliert 311 000 Fr. Die jetzt neu Pensionierten dürfen auf zwanzig weitere Lebensjahre hoffen und dabei im Schnitt 434 000 Fr. beziehen. Ökonomisch ist somit begründbar, zur Stabilisierung des AHV-Systems das gesetzliche Rentenalter ein oder zwei Jahre höher zu schieben.

Den individuellen Rentenanspruch kann sich jede AHV-versicherte Person bei der zuständigen AHV-Ausgleichskasse berechnen lassen. Ein Aufschub des Rentenbeginns für längstens fünf Jahre ist möglich, wobei dann der Monatsbetrag steigt. Die Rente darf aber auch bis zwei Jahre vor ordentlichem Rentenalter gegen Kürzung des Betrags bezogen werden.

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