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Air France-KLM steckt in einer tiefen Krise

Der angekündigte Rücktritt des CEO und anhaltende Streiks schicken die Titel der Fluggesellschaft auf Talfahrt.

Helmut Hetzel, Den Haag

Der Wochenauftakt brachte wenig Gutes für Air France-KLM. Die Aktien verloren an der Amsterdamer Börse am Montag deutlich und stürzten im frühen Handel 14,3% auf ein Tagestief von 6.93 €. In den Niederlanden wird der Ruf laut, KLM aus der Fusion mit Air France (AF 8.912 -0.87%) zu lösen und wieder zu verselbständigen, oder sie unter den Fittichen der deutschen Lufthansa (LHA 23.25 -0.09%) weiterfliegen zu lassen.

Ausgelöst wurde die Krise Flugallianz Air France-KLM durch die anhaltenden Streiks bei Air France und den am Freitagabend angekündigten, überraschenden Rücktritt von Jean-Marc Janaillac, Chef der Air-France-KLM-Holding. Er will schon am 15. Mai sein Amt niederlegen. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Zudem erklärte der französische Finanzminister Bruno Le Maire, der französische Staat werde Air France im Falle einer Insolvenz nicht mit Steuergeldern retten. Das alles wird in den Niederlanden mit grosser Sorge verfolgt.

Kritik an der Führung

«Nun ist die niederländische Regierung gefordert. Sie muss eingreifen und KLM retten, bevor sie von Air France mit in den Abgrund gerissen wird», sagt der niederländische Luftfahrtexperte Arnold Burlage im Gespräch mit FuW. Der niederländische Staat hält an KLM noch 5,9% der Aktien. Burlage kritisiert, dass Jean-Marc Janaillac «seinen Rücktritt mit KLM nicht abgesprochen hat und die niederländische Fluglinie im Stich lässt. Air France-KLM ist jetzt führungslos.»

Auch seitens des KLM-Betriebsrats wird ein rasches Eingreifen der Haager Regierung gefordert, um KLM zu retten. «Wir müssen als Niederlande einen Strich ziehen und sagen: bis hierher und nicht weiter», fordert der KLM-Betriebsratsvorsitzende Jan Willem van Dijk in einem Appell an den niederländischem Ministerpräsidenten Mark Rutte.

Aus dem Haager Finanzministerium verlautet dazu: «Wir beobachten die Dinge, die in Paris passieren, sehr genau und werden reagieren, wenn wir darum gebeten werden.» KLM-Chef Peter Elbers hat sich zur schweren Führungskrise bei der französisch-niederländischen Flugkombination noch nicht geäussert.

KLM beschäftigt rund 30‘000 Mitarbeiter, hat eine Flotte von derzeit hundertneunzehn Flugzeugen und hat zwanzig weitere bestellt. Die Holländer erwirtschaften in der Kombination mit Air France seit Jahren den Löwenanteil des Gewinns. Der ökonomische Wert des KLM-Flugnetzes und der KLM-Fluginfrastruktur wird für die niederländische Volkswirtschaft auf 25 Mrd. € beziffert. Der Amsterdamer Flughafen Schiphol Airport ist mit einem jährlichen Passagieraufkommen von rund 55 Mio. Reisenden der viertgrösste Airport Europas. Zur KLM-Gruppe gehören auch die Charterflugtöchter Transavia, KLM-Cityhopper und Martinair. Im Jahr 2004 fusionierten die Holländer mit Air France, die KLM damals für rund 750 Mio. € erwerben konnte.

Zwei Szenarios

Zwei Optionen werden derzeit in den Niederlanden diskutiert. Die erste: die Herauslösung der KLM aus dem Verbund mit Air France und die Verselbständigung mit neuen Aktionären. Diese Aktionäre könnten der US-Flugpartner der KLM, Delta Air Lines, der niederländische Staat sowie China Southern Airlines sein. Die zweite Option: «KLM schlüpft unter die Fittiche der Lufthansa. Die Lufthansa verkauft Austrian Airlines und fliegt mit KLM und Swiss weiter. Das wäre für uns die Ideallösung», so Luftfahrtexperte Arnold Burlage. «Die Frage ist nur, ob die europäischen Wettbewerbshüter das zulassen.»

Air-France-KLM Aktien haben seit Jahresbeginn fast die Hälfte an Wert eingebüsst. Im langjährigen Vergleich ist die Entwicklung schwach. Analysten empfehlen mehrheitlich «Halten», knapp ein Viertel gar «Verkaufen».

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