Blogs / Momentum

Aktie im Blickpunkt

Ein letzter Zug aus der Menthol-Zigarette.

Beatrice Bösiger

Mit gutem Gewissen lassen sich Investitionen in Tabakproduzenten kaum empfehlen. Daran ändern auch die Initiativen der Konzerne nichts, sich mittels E-Zigaretten und Vaping zu diversifizieren. 

Dazu kommen drohende regulatorische Verschärfungen. Der amerikanische Präsident Joe Biden hat vergangene Woche angekündigt, unter anderem den Verkauf von Menthol-Zigaretten in den USA verbieten zu wollen. Dahinter stecken Studienergebnisse, welche besagen, dass wer Menthol raucht, davon schwieriger loskommt als von herkömmlichen Zigaretten. 

Kommt das Verbot zustande, würden rund ein Drittel aller in den USA verkauften Zigaretten darunterfallen. Die Lebensmittel- und Medikamentenbehörde FDA will entsprechende Standards im nächsten Jahr vorbereiten.

Vorreiter ist Biden damit allerdings nicht. Bereits im vergangenen Jahr haben Grossbritannien und die Europäische Union den Verkauf solch aromatisierter Tabakwaren verboten. Bis zur Umsetzung in den USA dürfte es allerdings Jahre dauern. Experten rechnen damit, dass die Branche gerichtlich dagegen vorgehen wird. 

Marlboro-Hersteller Altria Group (MO 49.63 -1.6%) hat sich bereits gegen den Versuch der Prohibition verwehrt, der Staat soll lieber weniger schädliche Alternativen wie E-Zigaretten fördern. Der Konzern hat in der Vergangenheit unter anderem in das Start-up Juul, das sich vor allem bei Jugendlichen grosser Beliebtheit erfreut hat, investiert. 

Zudem hat der Konzern 2018 einen grösseren Anteil am kanadischen Marihuana-Produzenten Cronos übernommen. Damit sich die Investition auszahlt, sind jedoch noch weitere Änderungen in den gesetzlichen Rahmenbedingungen in den USA nötig, wie die Analysten von Piper Sandler schreiben. 

Während der Pandemie hat die Tabakindustrie als solches aber kaum gelitten. Die meisten Retail-Shops, wo Zigaretten verkauft werden, blieben auch während des Lockdowns geöffnet. Altria hat es jedoch nicht geschafft, davon zu profitieren. Im ersten Quartal 2021 hat der Konzern einen um 3,3% tieferen Umsatz von 4,9 Mrd. $ erwirtschaftet. 

Obwohl die Aktien seit Jahresbeginn um 16% auf mehr als 47 $ gestiegen sind, sind sie kein Kauf. Zu abhängig sind sie von den sich ändernden politischen Rahmenbedingungen.

Leser-Kommentare