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Aktie im Blickpunkt

Peloton ruft Geräte zurück – Aktien sacken weiter ab.

Carlo Emanuele Frezza

Aufgrund der Coronakrise war es in den vergangenen Monaten vielerorts nur bedingt möglich, ausserhalb der eigenen vier Wände Sport zu treiben. Das sorgte für einen regelrechten Boom auf Fitnessgeräte für zu Hause. Zu den Profiteuren gehörte Peloton. Ihre Laufbänder und Indoor-Fitnessbikes waren in aller Munde. Das hatte auch Auswirkungen am Aktienmarkt. Die Valoren verteuerten sich rasant und erreichten im Januar ihr bisheriges Allzeithoch von 171.10 $.

Doch wer geglaubt hat, dass sich dieser Trend fortsetzt, dürfte spätestens jetzt in die Röhre gucken. Denn statt weiter nach oben ist es mit dem Kurs in die andere Richtung gegangen – und zwar deutlich. Binnen kürzester Zeit hat er sich halbiert. Inzwischen kosten die Titel noch knapp 80 $. Auslöser für die Abgaben ist eine Reihe an Berichten über Verletzungen (Schürfwunden, Knochenbrüche und offene Verletzungen) sowie den Todesfall eines sechs Jahre alten Kindes im Zusammenhang mit den Geräten.

Die amerikanische Konsumentenschutzbehörde CPSC warnt bereits seit längerem vor den Geräten von Peloton. Erwachsene, Kinder und Tiere können unter die hintere Walze des Laufbandes Tread+ gezogen und dabei verletzt, gequetscht oder sogar getötet werden. Insgesamt sei sie über 72 Vorfälle informiert worden – in 29 Fällen seien Kinder die Leidtragenden gewesen. Dass die Geräte einen Produktionsfehler haben könnten, war für CEO John Foley lange Fantasie. Er ignorierte die Alarmglocken und meinte bloss, die Warnung der CPSC sei «ungenau und irreführend».

Inzwischen hat sich die Situation zugespitzt, und plötzlich macht Foley einen Rückzieher. Er ruft in den USA die rund 125’000 betroffenen Laufbänder Tread und Tread+ zurück und appelliert, die Nutzung sofort einzustellen. Die Kunden sollten Peloton schnellstmöglich für eine Rücksendung und Rückerstattung des rund 4300 $ teuren Fitnessgeräts kontaktieren. Zudem entschuldigt er sich für die ursprüngliche Reaktion des Unternehmens. «Peloton hat einen Fehler gemacht.» Man hätte von Anfang an «produktiver» mit der Behörde zusammenarbeiten sollen.