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Aktie im Blickpunkt

Windeln.de geraten in den Fokus von Kleinanlegern.

Carlo Emanuele Frezza

Noch ist die Hälfte von 2021 nicht vorbei. Doch die ersten fünf Monate haben eindrücklich gezeigt, was Kleinanleger für einen starken Einfluss auf die internationalen Finanzplätze haben, wenn sie sich in Internetforen gegenseitig zu Käufen anstacheln. Bisher konnte man dieses Phänomen gut in den Vereinigten Staaten beobachten. Binnen weniger Tage sind die Kurse des US-Videospielehändlers GameStop (GME 223.71 -4.13%) und der Kinokette AMC in die Höhe geschnellt.

Nun ist so etwas auch in Europa geschehen – genauer in Deutschland. Noch vor kurzem galten die Valoren von Windeln.de (WDL 1.22 +1.67%) als Pennystock, denn sie kosteten weniger als 1 €. Inzwischen liegen sie deutlich darüber: In den vergangenen Wochen haben sie sich mehr als versiebenfacht. Am Mittwochvormittag schien es so, als ob die Rally nahtlos weitergehen würde. Zunächst verteuerten sich die Valoren weitere 50% auf 6,80 €. In der Folge kippten sie deutlich ins Minus. Trotz diesem jüngsten exorbitanten Kursplus liegen die Titel deutlich unter dem Allzeithoch. Unmittelbar nach dem Börsengang im Frühjahr 2015 notierte die Aktie bei 60 €. Seither verbilligten sich die Titel pausenlos.

Weshalb Windeln.de plötzlich in den Fokus von Kleinanlegern geraten ist, kann sich CEO Matthias Peuckert nicht erklären. «Aus operativer Sicht gibt es keine Erklärung.» Die Geschäftszahlen geben ihm recht. Denn die operative Entwicklung kann seit Jahren alles andere als überzeugen. Im ersten Quartal waren die Umsätze leicht rückläufig gewesen, und auch die Gewinnentwicklung verlief weniger gut als erhofft.

Daher liegt es auf der Hand, dass Windeln.de zum Spielball von Kleininvestoren geworden sind. In den sozialen Netzwerken wie Reddit wird auch gleich eine Erklärung für den Kursanstieg geliefert. User streuen in dem Internetforum Gerüchte, dass es Übernahmeangebote für Windeln.de aus China gebe und im Vorfeld deshalb der Preis der Aktie gedrückt werden soll – ähnlich wie bei GameStop versuchen die Kleinanleger demnach, diesen Trend ins Gegenteil zu verkehren.

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