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Aktie im Blickpunkt

Datadog sind eine heisse Wette.

Thorsten Riedl

Am Dienstagabend, nach Börsenschluss in den USA, wird die Führung von Datadog unter Mitgründer und CEO Olivier Pomel das Ergebnis für das abgelaufene Quartal vorlegen. Im besten Fall rechnen Beobachter mit einem schmalen Gewinn. Die Papiere des Cloud-Anbieters bleiben dennoch eine heisse Wette, gerade mit Blick auf die sich verschärfenden Coronamassnahmen rund um den Globus.

Im März vergangenen Jahres ging das Start-up Datadog an die Börse. Gegründet wurde das Unternehmen, das mittlerweile mehr als tausend Mitarbeiter beschäftigt, vor zehn Jahren. Seit dem IPO (Initial Public Offering) haben sich die Titel mehr als 175% verteuert – sie sind damit weit besser gelaufen als der Gesamtmarkt. Das Geheimnis? Datadog setzt mit Erfolg auf eines der spannendsten Themen in der IT-Industrie derzeit: die Cloud – und dort insbesondere auf das Überwachen und Kontrollieren von Diensten. Insbesondere in den Krisenzeiten, in denen viele von zu Hause arbeiten, sind solche Angebote gefragt.

Wenn Services bei Unternehmen nicht mehr in Rechenzentren vor Ort laufen, sondern auf Servern mitunter weit entfernt, abgerufen über das Internet, geben IT-Abteilungen auch ein Stück Kontrolle aus der Hand. Die Idee von Pomel und seinem Kompagnon Alexis Lê-Quôc bestand darin, den Technikern ein Werkzeug in die Hand zu geben, um die Cloud Services zu überwachen und so dabei zu helfen, Störungen schnell zu entdecken und zu beheben. Zu den Kunden gehören internationale Grossunternehmen wie Swiss Re (SREN 81.34 -1.6%), Siemens (SIE 132.80 +7.27%), Twitter (TWTR 48.06 +1.99%) oder Airbnb (ABNB 181.87 +0.81%).

Den Ritterschlag erhielt der Dienst diesen Herbst: Mit Microsoft (MSFT 225.95 +0.44%) vereinbarte die Datadog-Führung eine strategische Partnerschaft. Die Datadog-Konsole lässt sich seither direkt im Cloud-Dienst Azure von Microsoft aufrufen. Zusammen mit Amazon (AMZN 3'292.23 -0.45%) dominiert Microsoft das Cloud-Geschäft. Im September, nachdem die Microsoft-Partnerschaft bekannt geworden war, verteuerten sich die Datadog-Papiere mehr als 20%. Im Oktober ging es 10% nach unten. In den ersten Tagen des Novembers notieren die Aktien erneut im Plus. Das Hoch von Oktober liegt gut 10% entfernt.

Beobachter rechnen damit, dass Datadog den Umsatz in diesem Jahr mehr als 50% ausbauen kann, ein weiteres Drittel im kommenden Jahr. Für das abgelaufene Quartal geht Datadog von einem Umsatz zwischen 143 und 145 Mio. $ aus. Das entspricht einem Zuwachs von gut 50%. Für das Jahr erwartet das Unternehmen selbst einen Erlös zwischen 566 und 572 Mio. $.

Datadog kommt inzwischen auf eine Marktkapitalisierung von 30 Mrd. $ – weit mehr als die 7 Mrd. $, die Cisco angeblich im Vorfeld des Börsengangs für die Übernahme des Unternehmens erwogen hatte. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis der Datadog-Aktien beträgt bezogen auf das laufende Jahr mehr als das Fünfzigfache. Eine Partizipation an den Datadog-Papieren kann sich für Investoren auszahlen, die über ein kleines, wachstumsstarkes Unternehmen mittel- bis langfristig an den Trendthemen Cloud und Big Data teilhaben wollen.