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Aktie im Blickpunkt

Volkswagen hat Grosses vor.

Carlo Emanuele Frezza

Es ist nicht lange her, da stand Volkswagen (VOW3 163.94 -4.89%) wegen des Dieselskandals im Kreuzfeuer der Kritik – und war bei Anlegern unbeliebt. Heute ist alles anders. Der zweitgrösste Autokonzern der Welt ist bisher besser als erwartet durch die Coronakrise gekommen. An der Börse steigt der Kurs der Vorzugsaktien Tag für Tag. Allein seit Jahresbeginn haben sie sich etwa 30% verteuert.

Den jüngsten Kurssprung feierten die Valoren zu Beginn dieser Woche. Wie so oft in diesem noch jungen Jahr standen sie an erster Stelle in den Kurstableaus des Dax und des Euro Stoxx 50 (Euro Stoxx 50 4'089.58 -4.74%). Auslöser für die Zukäufe waren mehrere Faktoren.

Der erste Treiber für das Kursplus sind die Jahreszahlen. Volkswagen hat 2020 dank der Erholung in der zweiten Jahreshälfte und des starken Chinageschäfts einen operativen Gewinn von 10,6 Mrd. € erzielt. Das sind zwar 45% weniger als im Vorjahr, doch die Anleger waren von diesem Ergebnis trotzdem begeistert. Denn sowohl die Geschäftsleitung als auch die Analysten hatten mit einem noch grösseren Gewinneinbruch gerechnet. «Das gute Abschneiden im Krisenjahr 2020 gibt uns zusätzlichen Rückenwind», erklärte Konzernchef Herbert Diess.

Diesen Elan kann Volkswagen gut gebrauchen. Denn der Autobauer befindet sich mitten in einem rasanten Wechsel in die E-Mobilität – und damit sind wir beim zweiten Grund für die steigenden Kurse. In diesem Jahr will der Wolfsburger Autokonzern 1 Mio. elektrifizierte Fahrzeuge ausliefern. Vergangenes Jahr hatte er bei reinen Elektrofahrzeugen mehr als eine Verdreifachung auf knapp 232’000 Stück realisiert.

Um diese hochgesteckten Ziele zu erreichen, legt Volkswagen die ganze Kraft in den Ausbau der Elektromobilität. Am Montag hat das Management angekündigt, Batteriezellen künftig selbst herzustellen. Bis 2030 sollen in Europa dafür sechs Gigafabriken entstehen, in denen ein Energiegesamtwert von 240 Gigawattstunden im Jahr produziert werden soll.

Analysten zeigen sich vom Vorhaben von Volkswagen entzückt. Sie sehen den Konzern nun auf dem Weg, den von Diess als Ziel ausgegebenen Börsenwert von 200 Mrd. € mittelfristig zu erreichen. Das Ziel ist mit den aktuellen rund 115 Mrd. € allerdings noch ein gutes Stück entfernt.