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Aktie im Blickpunkt

Amazon ist jetzt auch eine Apotheke.

Carlo Emanuele Frezza

Am Dienstag waren an den New Yorker Börsen besonders bei Gesundheitsaktien grosse Bewegungen auszumachen. Pharmaketten wie Walgreens (WBA 38.61 +1.58%), CVS (CVS 68.02 +0.34%) Health und Rite Aid (RAD 13.51 +2.35%) kamen gehörig unter Druck. Für einmal ging es weder um einen Impfstoff gegen das Coronavirus noch um ein Medikament, das die Pandemie besiegen kann. Im Fokus standen sie, weil Amazon (AMZN 3'212.95 +1.42%) nun definitiv ihr Konkurrent ist.

Unter dem Namen Amazon Pharmacy ist der Konzern von Jeff Bezos am Dienstag in den Apothekenmarkt eingestiegen. Kunden können nun verschreibungspflichtige Medikamente zu sich nach Hause bestellen. Nötig ist dafür einzig ein Profil auf der Homepage, wo die von den Ärzten ausgestellten Rezepte hochgeladen werden können. Das bringt traditionelle Apotheken in Schwierigkeiten. Viele von ihnen sind darauf angewiesen, dass Kunden ihr Rezept bei ihnen im Laden einlösen und anschliessend auch noch andere Waren kaufen.

Die Pandemie hat grossen Einfluss auf das Kaufverhalten der Kunden. Gekauft wird vermehrt online und nicht mehr wie bis anhin direkt vor Ort. Davon könnte künftig verstärkt auch der Arzneimittelmarkt profitieren. Allerdings ist dem amerikanischen Marktforscher J.D.Power zufolge die Akzeptanz der Onlinebestellungen von Medikamenten noch gering.

Amazon hat schon seit längerem mit dem Eintritt in den Apothekenmarkt geliebäugelt. Vor zwei Jahren übernahm sie die PillPack, um sich in der Folge fortlaufend staatliche Lizenzen für den Versand von ärztlichen Verordnungen in den USA zu sichern. Seit Dienstag ist Amazon Pharmacy nun also salonfähig, und für die Investoren hat die neueste Apotheke Zukunft. Das wird honoriert: Die Aktien des Technologiekonzerns stiegen 0,2% auf 3135.66 $. Damit liegen sie rund 70% über dem Niveau zu Jahresbeginn.

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