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Aktie im Blickpunkt

Fussballaktien für einmal attraktiv.

Carlo Emanuele Frezza

Der internationale Fussball ist zu Beginn der laufenden Woche erschüttert worden. Zwölf europäische Top-Vereine haben sich zusammengetan und wollen in Konkurrenz zur Champions League der Uefa eine Super League auf die Beine stellen, in der zwanzig Vereine an den Start gehen sollen. Fünfzehn haben einen Startplatz und somit eine feste Prämie in Millionenhöhe garantiert – unabhängig von ihrem Abschneiden in den nationalen Ligen. Fünf weitere Clubs können sich sportlich qualifizieren. An die Gründungsmitglieder sollen 3,5 Mrd. € ausgeschüttet werden, finanziert von JPMorgan. Die Schere zwischen den Grossen und den Kleinen dürfte sich damit noch weiter öffnen.

Während die eingefleischten Fussballfans nicht viel von dieser Idee halten, zeigen sich die Anleger entzückt. Zumindest die Aktien der Vereine, die in die Pläne involviert sind, haben zum Wochenstart einen ordentlichen Kurssprung hingelegt. Die in New York notierten Manchester United (MANU 16.72 -2.45%) legten am Montag in der Spitze mehr als 10% zu. Die Valoren des italienischen Meisters Juventus stiegen sogar fast 20%.

Die Initiatoren erhoffen sich von der Super League vor allem höhere TV-Einnahmen. Laut einem Bericht der «Financial Times» haben sie bereits erste Gespräche mit möglichen Käufern der Übertragungsrechte wie Facebook (FB 315.02 -1.05%), Amazon (AMZN 3'270.54 -1.25%), Disney (DIS 181.51 -1.49%) und Sky geführt. Ihr deklariertes Ziel sei es, bis zu 4 Mrd. € im Jahr einzunehmen. Das ist um ein Vielfaches höher als das, was die Champions League bereithält.

Nach Ansicht von Analysten hätten Amazon und der Disney-Sportsender ESPN die besten Chancen, die Super League zu zeigen. Die traditionellen Rechteinhaber halten sich bisher zurück, weil sie sonst um ihr Verhältnis zu den internationalen Verbänden Uefa und Fifa sowie den nationalen Ligen fürchten müssten, sagte Medienanalyst Ian Whittaker.

Ein neues Turnier mag für die zwölf Vereine äusserst attraktiv erscheinen. Doch auch höhere TV-Gelder sowie eine feste Teilnahmeprämie ändern langfristig wenig daran, dass die Clubs hoch verschuldet sind und die Aktien meist mehr emotionalen Wert als finanzielle Rendite bieten.

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