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Aktie im Blickpunkt

Deliveroo plant einen grossen Börsengang in England.

Thorsten Riedl

Geschlossene Restaurants, geschlossene Büros, Aufruf zum Home Office. Doch nicht alle Unternehmen leiden unter der Pandemie. Essenslieferdienste gehören zu den grossen Gewinnern der neuen Normalität in Coronazeiten. Mit Deliveroo wagt sich ein weiterer Spieler an die Börse. Das britische Unternehmen könnte in wenigen Wochen den grössten Börsengang im Vereinigten Königreich in der vergangenen Dekade aufs Parkett legen.

Der Markt für Essenslieferungen boomt. Der Umsatz im Segment Online Food Delivery soll in der Schweiz im laufenden Jahr 250 Mio. Fr. betragen und jährlich mehr als 7% wachsen. Besonders stark ist Marktexperten zufolge das Segment Restaurant to Consumer, es macht mehr als 60% des Marktes aus. Deliveroo wurde 2013 in London gegründet. Fahrer des Lieferdienstes bringen Essen von Restaurants zu den Hungrigen. Die Boten sind wie bei der Konkurrenz nicht angestellt, sondern arbeiten als Selbständige.

Inzwischen ist das Unternehmen weit über die Grenzen von Grossbritannien expandiert und ist beispielsweise auch in Frankreich, Belgien oder Australien tätig. Es konkurriert etwa mit der deutschen Delivery Hero (DHER 111.05 +1.05%) oder der niederländischen Just Eat (TKWY 75.76 -1.74%) Takeaway, die hierzulande stark ist.

Nun plant Deliveroo ein IPO (Initial Public Offering) in England. Am Montag hat sie mit den Banken, zu denen JPMorgan und Goldman Sachs (GS 378.05 +1.1%) gehören, eine Preisspanne zwischen 3.90 und 4.60 £ für die eigenen Aktien festgelegt. Das entspricht einer Marktbewertung von 7,6 bis 8,8 Mrd. £, also im besten Fall mehr als 11 Mrd. Fr.

Das Unternehmen soll 1 Mrd. £ vom Erlös einbehalten, der Rest geht an Altaktionäre. Darunter befindet sich Amazon (AMZN 3'346.83 -0.08%). Der grösste Onlinehändler der Welt hat sich vor zwei Jahren 16% am Essenslieferanten gesichert. Deliveroo-Gründer und CEO Will Shu wird mit erweiterten Aktionärsrechten investiert bleiben.

Mit der Preisspanne hat Deliveroo ein Update zum Geschäftsverlauf veröffentlicht: «Wir haben einen starken Start ins Jahr 2021 gesehen», erklärte CEO Shu. Der Bruttotransaktionswert, also der Gesamtwert aller Bestellungen, liege mehr als 120% über Januar und Februar.

Deliveroo kommt spät zur Party. Delivery Hero mit Sitz in Deutschland hat in den vergangenen zwölf Monaten ihren Wert verdoppelt. Die Aktien von Doordash, Marktführer in den USA, sind seit Ende vergangenen Jahres an der Börse. Sie kamen zu 102 $ an den Markt und stiegen am ersten Handelstag in der Spitze auf fast 200 $. Seither geht es bergab. Im Markt für Essenslieferungen herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. Deliveroo hat bislang noch keinen Gewinn erwirtschaftet. Anleger sollten vorsichtig bleiben.