Blogs / Momentum

Aktie im Blickpunkt

Ozon geht aus Moskau an den Nasdaq.

Beatrice Bösiger

Der russische Onlinehandel ist anders. Zum einen, weil der Markt anders als in vielen Ländern Westeuropas und den USA nicht von Amazon (AMZN 3'232.58 -2.81%) dominiert wird. Zum anderen, weil die grossen Distanzen in dem Riesenreich E-Commerce-Anbieter vor Herausforderungen bei der Logistik stellen (Stichwort: Same Day Delivery). 

Das hat dazu geführt, dass regional unterschiedliche Player entstanden sind. In Russland kontrollieren die drei grössten E-Commerce-Anbieter gerade einmal 18% des Marktes. Zum Vergleich: In den USA entfällt rund die Hälfte auf Amazon. E-Commerce hat Potenzial, 95 Mio. der 140 Mio. Bewohner Russlands nutzen das Internet. Das ist in Europa der höchste Anteil. Seit Ausbruch der Coronapandemie florieren die Geschäfte. Der E-Commerce-Sektor ist in der ersten Jahreshälfte in Russland im Vergleich zum Vorjahr um 51% gewachsen

Eines dieser Unternehmen, Ozon, hat nun vor einer Woche sein Börsendebüt in den USA gegeben. Beim Start am Nasdaq hat der Onlinehändler fast 1 Mrd. $ eingenommen – der grösste Börsengang eines russischen Unternehmens in den vergangenen drei Jahren. Ob das Beispiel Schule macht, muss sich zeigen. Seit der Annexion der Krim 2014 hat das Interesse russischer Gesellschaften an internationalen Börsengängen abgenommen, die USA sowie die EU haben Sanktionen gegen diverse Oligarchen und Unternehmen verhängt.  

Nach dem IPO stieg die Bewertung von Ozon auf mehr als 7 Mrd. $. Erwartet wird, dass die Einnahmen aus dem IPO in den Ausbau des Logistiknetzwerks fliessen werden. Der Eröffnungspreis für die Aktien betrug 30 $, kurz nach Handelseröffnung stiegen sie auf 40 $, ein Zuwachs von mehr als 30%. Nach ihrer ersten Handelswoche, die in den USA aufgrund eines Feiertages kürzer ausgefallen war, haben sie ihre Gewinne gehalten und notieren am Montag bei 40 $. 

Ozon ist neben dem E-Commerce-Konkurrenten Wildberries und dem Suchmaschinenkonzern Yandex (YNDX 63.60 -2.3%) eine der Erfolgsgeschichten des Runet, wie das russischsprachige Internet genannt wird. Das Unternehmen, bereits 1998 als Buchversand gegründet, hat sich den Bedürfnissen der Kunden angepasst. Da zahlreiche Menschen in Russland nicht über eine Kreditkarte verfügen, ist es etwa möglich, bestellte Waren bei der Auslieferung bar zu bezahlen. Zum Standard gehört ebenfalls, dass nach der Bestellung ein kurzer Anruf der Firma zur Bestätigung folgt, um Betrug vorzubeugen. Ozon zählt inzwischen mehr als 11 Mio. Kunden. Zu den grössten Anteilseignern gehören das Konglomerat Sistema sowie die Investmentfirma Baring Vostok.

Leser-Kommentare