Unternehmen / Schweiz

Aktien 2015: Das waren die Tops und Flops

Wer den richtigen Riecher hatte, konnte in den vergangenen Monaten an der Schweizer Börse seinen Einsatz verdoppeln. Es gab aber auch zahlreiche Nieten. Der grosse Rückblick.

Das heute zu Ende gehende Jahr schreibt sich als bewegtes und schliesslich doch langweiliges Börsenjahr in die Chronik ein. Zum Jahresende notierte das Börsenbarometer Swiss Market Index (SMI (SMI 9174.39 1.98%)) bei 8818 Punkten. Das entspricht einem Rückgang von 2% gegenüber dem Jahresanfang. Der breiter gefasste Swiss Performance Index (SPI (SXGE 11161.03 2.09%)) beendete das Jahr mit +3%.

Der grosse SMI-Sieger ist das Agrarchemieunternehmen Syngenta. Seine Aktien haben seit Anfang Januar 23% gewonnen. Knapp dahinter folgt die Biopharmagesellschaft Actelion (+21%), an dritter Stelle kommen die Titel des Rückversicherers Swiss Re (SREN 70.3 -0.54%), die 17% avanciert sind.

Bei Syngenta setzen Anleger darauf, dass sich das Unternehmen im kommenden Jahr mit einem Mitbewerber zusammentut. In der Agrarchemiebranche hat eine Konsolidierung eingesetzt, der sich inzwischen auch Syngenta nicht mehr verwehrt, wie VR-Präsident Michel Demaré jüngst in einem Interview mit FuW gesagt hat (lesen Sie hier das Interview).

Zuletzt trieben Gerüchte um eine Übernahme durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina die Notierungen von Syngenta in die Höhe. Bereits im Frühling waren Spekulationen aufgekommen, dass das Basler Unternehmen von einer der anderen grossen Agrochemiegesellschaften übernommen werden könnte. Damals hatte der US-Konzern Monsanto Interesse an Syngenta bekundet und ihren Aktienkurs in die Höhe getrieben – bis zum Abbruch der Gespräche, weil sich die beiden Parteien nicht finden konnten. Daraufhin stürzten auch die Valoren Syngenta zwischenzeitlich wieder ab.

Actelion für einmal zweitbeste SMI-Aktie

Actelion profitierte in diesem Jahr von positiven Testergebnissen und Produktzulassungen. Für gute Stimmung unter den Anlegern sorgte auch die Umsatzentwicklung des Medikaments Opsumit, das den bisherigen Umsatztreiber Tracleer ablösen soll. Tracleer hat Ende 2015 den Patentschutz verloren und kann nun von Generikaherstellern kopiert werden. Die Aktien Actelion gehören seit Jahren zum Besten, was der SMI zu bieten hat. Zwischen 2012 und 2014 waren sie jeweils Jahressieger, dieses Mal resultiert Platz zwei.

Wenig Glück brachten den Investoren die Titel aus dem Erdöl- und dem Luxusgütersegment. Der SMI-Verlierer des Jahres ist der Ölbohrplattformbetreiber Transocean (RIG 3.9 -5.11%) (–32%). Er litt dieses Jahr unter dem stark gesunkenen Ölpreis. Derzeit muss er seine Plattformen zu Discountpreisen anbieten. Das Unternehmen hat Ende November angekündigt, die Schweizer Börse zu verlassen. Die Papiere werden per Ende März 2016 dekotiert und aus dem SMI entfernt.

Ebenfalls ein dunkles Jahr ist 2015 für die Luxusgüterhersteller Swatch Group (UHR 188.65 1.18%) und Richemont (CFR 52.1 -1.51%). Die Krise im Hauptabsatzmarkt Hongkong hat sich im Jahresverlauf weiter verschärft. Die Uhrenexporte in die chinesische Sonderverwaltungszone sind massiv zurückgegangen. Die chinesische Kundschaft kauft Luxusartikel heute bevorzugt in Südkorea, Japan und Europa, wo die Margen für die Unternehmen aber deutlich geringer sind. Für das kommende Jahr sind die Prognosen weiterhin wenig rosig.

Grosse Ausschläge bei den Nebenwerten

Deutlich prägnanter fielen Kursgewinne und -verluste bei den Aktien aus der zweiten Reihe aus. Der Top-Wert des Jahres sind Galenica (GALE 66.8 4.13%), die sich im Jahresverlauf beinahe verdoppelt haben. Etwas bizarr mutet allerdings an, dass kaum einer weiss, weshalb das Gesundheitsunternehmen derart an Wert gewonnen hat. Beflügelt hat vor allem die Fantasie um die seit längerem angekündigte und erst kürzlich auf das vierte Quartal 2016 terminierte Aufspaltung des Unternehmens in zwei separate Börsengesellschaften (Vifor Pharma (VIFN 127.35 -2.53%) und Galenica Santé). Doch dies allein rechtfertigt die exorbitante Bewertung nicht. Für 2016 wird Galenica mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 30 bewertet. Zu den grössten Aktionären gehört noch immer Martin Ebner über seine Beteiligungsgesellschaft Patinex und die BZ Bank.

Dahinter folgen Aktien, die vor zwölf Monaten wohl kaum ein Anleger auf dem Radar hatte: der Bergbahnbetreiber BVZ (BVZN 960 -3.52%) Holding (u.a. Glacier-Express und Gornergratbahn), die Logistikunternehmen Kardex (KARN 131 1.87%) und Interroll (INRN 1594 1.53%), die Medtech-Gesellschaft Ypsomed (YPSN 123.6 1.81%) sowie die Finanzdienstleister VZ Holding (VZN 307 -3.46%) und Compagnie Financière Tradition (vgl. Tabelle). Diese Werte haben 2015 zwischen 60 und 85% zugelegt.

Boomende Bergbahnaktien

Die BVZ Holding steht stellvertretend für die Schweizer Bergbahnen, die 2015 auf ein ausserordentlich gutes Börsenjahr zurückschauen können. Zu den Kurstreibern gehörten die niedrigen Bewertungen – die laufende Bullenphase an den Börsen ist an den Bergbahntiteln zuvor spurlos vorbeigegangen – sowie die Wachstumsaussichten. Neben BVZ trotzten auch die Jungfraubahnen (JFN 118.8 -2.3%) und die Titlis-Bahnen (TIBN 269 1.51%) der Frankenstärke und profitierten von der weiterhin steigenden Umsatzentwicklung. So haben die Jungfraubahnen dieses Jahr zum ersten Mal überhaupt mehr als 1 Mio. Passagiere zum Jungfraujoch befördert. Das entspricht im Jahresvergleich einem Plus von 15%.

Auffällig ist auch die Kurssteigerung des Finanzdienstleisters VZ Holding. Die Finanzgruppe, die sich auf die Vorsorgeberatung von Privatpersonen und KMU spezialisiert hat, ist in diesem Jahr bei Umsatz und Gewinn überdurchschnittlich stark gewachsen, was auch den Anlegern nicht verborgen geblieben ist.

Penny Stocks als grösste Verlierer

Am Ende der Tabelle finden sich die Flop-Titel, die den Börsianern im Jahr 2015 keine Freude bereitet haben. Die Niete des Jahres sind die Aktien des Immobilienunternehmens Züblin (ZUBN 26.2 3.15%), das den Anlegern fast einen Totalverlust beschert hat. Nach einer Neupositionierung des Immobilienportfolios und einer Kapitalerhöhung weisen Züblin für 2015 einen Wertverlust von 93% auf. Die Gesellschaft gehört zum Kernportfolio des Russen Victor Vekselberg, der seinen Mitaktionären auch bei seinen weiteren Beteiligungen, Schmolz + Bickenbach (STLN 0.141 0.71%), OC Oerlikon (OERL 7.5 2.39%) und Sulzer (SUN 58.4 0.34%), 2015 erneut kein Renditeglück gebracht hat.

Auch mit anderen Titeln haben Investoren ihren Einsatz im Jahresverlauf mehr als halbiert. Zu den schlimmsten Wertvernichtern 2015 gehören neben Züblin die Industrieunternehmen Schlatter (STRN 25.4 -5.22%) und Von Roll (ROL 0.548 0.37%), der Hedge-Funds-Anbieter Gottex, die in Liquidation befindliche Swmtl Holding (ehemals Swissmetall) sowie der Batterienhersteller Leclanché (LECN 0.734 -4.43%). Auffällig ist: Die Hälfte der schlechtesten zehn Werte 2015 sind sogenannte Penny Stocks – also Aktien mit einem Kurswert unter 1 Fr.