Meinungen

Aktien sind weit entfernt von Flower Power

Die Zinserhöhungen aus den Siebzigerjahren sind in schlechter Erinnerung. Warum es dieses Mal anders sein wird. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylvia Walter.

«Die Ereignisse der Siebzigerjahre rund um Wirtschaft und Geldpolitik waren ein historischer Ausnahmefall für die Börsen.»

Analogien zu den Siebzigerjahren zu ziehen, ist aus vielerlei Gründen nicht zulässig. Selbst wenn derzeit die Teuerung das jeweilige Ziel der Notenbank vielerorts überschreitet, befinden sich die Wirtschaft, die Politik, das globale Währungssystem und nicht zuletzt das Kommunikationsgeschick der Währungshüter heutzutage an einem ganz anderen Ort.

Als das Fed 1972 zu einem Zinserhöhungszyklus ansetzte, führte dies zu enorm starken und lang anhaltenden Kursverlusten an den Börsen. Doch die Inflation lief trotz Straffung aus dem Ruder. Denn dem Goldstandard wurde 1971 der letzte Dolchstoss verpasst. US-Präsident Nixon kündigte die Verpflichtung auf, Dollar gegen Gold zu wechseln. Das System fester Wechselkurse brach zusammen.

Im Herbst 1973 drosselten die arabischen Staaten die Erdölförderung und verhängten ein Embargo. Binnen kürzester Zeit vervielfachte sich der Ölpreis. Gewerkschaften, damals noch mit hoher Mitgliederzahl und Verhandlungsmacht, forderten den Teuerungsausgleich. Die Lohn-Preis-Spirale schraubte sich nach oben.

Das Fed definierte noch kein Ziel für den Leitzins, und Inflationserwartungen wurden nicht gesteuert. Geldpolitik fand grösstenteils in der Black Box statt. Banken und Unternehmen mussten raten, in welche Richtung Zinsen und Preise gehen würden.

Die starke Aktienkorrektur im Zinserhöhungszyklus von damals war ein historischer Ausnahmefall. Viele Einflüsse stürzten auf die Investoren ein. Heutzutage nehmen die Notenbanken die Märkte am Händchen, kommunizieren offensiv und vermeiden Überraschungen. Schliesslich ist eine Bereinigungsphase für überhöhte Aktienbewertungen auch ganz heilsam.