Getestet

Aktiia 24-Stunden-Blutdruckmessgerät

Es gibt nicht viele Schweizer Start-ups, die es aus dem Stand in das US-Wirtschaftsmagazin «Forbes», die deutsche FAZ oder ins Schweizer Fernsehen schaffen. Aktiia ist das gelungen – mit einem Armband, das 24 Stunden, sieben Tage lang den Blutdruck misst. Im Test zeigt das Produkt allerdings noch einige Mängel.

Das Aktiia-Band ist aus der Forschungsarbeit von Mattia Bertschi und Josep Solà am Tech-Zentrum CESM in Neuenburg entstanden. Sie hätten fünfzehn Jahre, so heisst es, an dem Verfahren getüftelt, mit dem sie nun Tech-Grössen wie Apple oder Google zuvorkommen. Kernprodukt ist das Armband, anderthalb Zentimeter breit und aus billig anmutendem Kunststoff, mit einem Blutdrucksensor. Er nimmt über ein optisches Verfahren das Pulsieren des Blutes unter der Haut auf – und ermittelt über einen Algorithmus Blutdruck und Ruhepuls.

Das kann Bluthochdruckpatienten helfen, ihr Leiden zu erkennen und besser zu verstehen. Durch Hypertonie wird das Risiko von Herz­infarkt oder Schlaganfall erhöht. Dabei wissen viele Betroffene nicht um die Gefahr. Das ­Aktiia-Verfahren wurde klinisch validiert und soll in allen möglichen Körperpositionen den Druck ermitteln. Beim klassischen Verfahren mit der Manschette, das Ärzte seit mehr als hundert Jahren fast unverändert nutzen, wird in der Regel im Sitzen gemessen. Eine Manschette befindet sich auch im Lieferumfang des Aktiia-Produkts. Anfangs und alle vier Wochen muss der Sensor damit kalibriert werden.

In der Praxis wird der Blutdruck nur protokolliert, wenn der Bandträger ruhig sitzt oder liegt. Der Sensor versucht, mindestens einmal pro Stunde zu messen, und mittelt dann zwei Ergebnisse. Im besten Fall ist also ein Dutzend Messungen pro Tag zu sehen – in der Regel weniger. Die Daten lagern leider in der Cloud, lassen sich über eine einfache App auslesen und bislang nur in Form eines PDF-Ausdrucks exportieren, etwa für den Arzt. Weitere, smarte Funktionen fehlen. Premiumservices sollen sich im Aufbau befinden. Das Band wirkt noch nicht ganz ausgereift. Für 200 Fr. ist es ausserdem zu teuer. Bald können auch Smartwatches den Blutdruck überwachen, einige von Samsung schaffen das schon jetzt.

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