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Aktivisten stellen GAM ein Ultimatum

Die Gesellschaften Bluebell und Krupa wollen eine klare Strategie sehen und drohen mit einer Abwahlkampagne gegen den Verwaltungsrat.

Aktivistische Investoren nehmen GAM (GAM 3.326 -4.97%) ins Visier. Die britische Gesellschaft Bluebell Capital Partners und die tschechische Krupa Global Investments wollen vom angeschlagenen Asset-Manager Taten sehen. In einer Mitteilung von Dienstag schliesst sich Krupa der Forderung von Bluebell an: «Wir geben dem neuen CEO Peter Sanderson und dem Management Zeit bis zum Jahresergebnis im Februar 2020, um uns einen Weg zu zeigen, wie sie die Profitabilität wiederherstellen wollen.»

Sollte der Plan die Aktivisten nicht zufriedenstellen «fahren wir eine Kampagne», sagt Juraj Krupa, Portfoliomanager des Aktivisten, im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft». Konkret würden Krupa und Bluebell dann anstreben, den Verwaltungsrat (VR) an der Generalversammlung 2020 zu ersetzen. «Die Mehrheit der VR-Mitglieder war bereits im Amt, als die Krise begann», sagt Giuseppe Bivona, Partner bei Bluebell, zu FuW.

Hoffen auf den Grossaktionär

Die Aktivisten seien im Gespräch mit anderen Aktionären, wollen dazu aber nicht konkret werden. Tatsache ist, das GAM-Aktionariat ist zersprengt, besteht vor allem aus internationalen Asset-Managern, die jeweils kaum mehr als 3% halten. Der einzige Grossaktionär mit gut 15% ist die britische Investmentgesellschaft Silchester, die zusammen mit der von ihr mitgegründeten Kiltearn auf rund 20% kommt. Auf Anfrage wollen sich beide nicht zum Angriff der Aktivisten äussern.

Silchester stand schon einmal hinter dem GAM-Management, als 2017 der aktivistische Investor Rudolf Bohli versuchte, den VR neu zu besetzen. Im Mai dieses Jahres sagte VR-Präsident David Jacob im Interview mit «Finews»: «Silchester hat uns immer unterstützt. Wir stehen in einem guten Dialog.» Auf Anfrage zu den Forderungen von Bluebell und Krupa gibt sich GAM zugeknöpft. Das Unternehmen stehe im Austausch mit allen Investoren, sagt ein Sprecher. Wie FuW aus dem Unternehmen erfahren hat, ist aber genau mit dem zu rechnen, was die Aktivisten fordern: CEO Sanderson wird sich im Februar zum Turnaroundkurs äussern.

GAM teilt selbst mit, alle strategischen Optionen zu prüfen, «um den Wert für Aktionäre und andere Interessengruppen zu maximieren». Ausgeschlossen davon sind auch ein Teilverkauf oder ein Verkauf der Gesellschaft nicht. «Wenn die Gesellschaft dafür einen strategischen Partner findet, wäre das für alle Beteiligten grossartig», sagt Juraj Krupa. Als mögliche Kaufinteressenten wurden dieses Jahr bereits der Versicherer Generali (G 16.91 -2.2%), die Privatbanken Union Bancaire Privée und Edmond de Rothschild sowie die Investmentbank Natixis kolportiert. Niemand schlug zu.

Gegenüber FuW äusserte sich der Chef eines bekannten Schweizer Asset-Managers, der ungenannt bleiben will: Der Kauf von GAM, unabhängig vom Preis, sei nicht interessant. Man riskiere damit, sich den Ruf zu ruinieren und vor allem Probleme einzukaufen. Das könne man sich in diesem kompetitiven Umfeld nicht leisten.

Kritik an Causa Haywood

Punkto Teilverkauf forderte Bluebell den GAM-VR in einem Schreiben bereits auf, die Division Private Labelling zu prüfen. Darin verwaltet GAM Fonds für Dritte. Der Bereich hält den Grossteil der Vermögen, macht aber nur einen Bruchteil des Ertrags, weil die Margen dort tiefer sind als in der Division Investment Management, wo GAM eigene aktive Anlagelösungen bietet.

Genau hier nahm auch die Misere ihren Lauf. GAM schlitterte in die Krise, als sie im März 2018 ihren Top-Fondsmanager Tim Haywood mit dem Vorwurf des groben Fehlverhaltens suspendierte. Er soll Risikomanagement- und Dokumentationspflichten nicht eingehalten haben. Im Nachgang zogen derart viele Anleger ihre Gelder aus Haywood-Fonds ab, dass sich GAM gezwungen sah, die Vehikel in die Liquidation zu schicken.

11 Mrd. Fr. an Vermögen flossen ab, weitere 20 Mrd. Fr. wurden von Kunden aus anderen Anlagevehikeln herausgezogen. GAM erlitt 2018 einen Verlust von fast 930 Mio. Fr., die Dividende wurde ausgesetzt. Für 2019 ist bei empfindlich geschrumpftem Ertrag mit einer schwarzen Null zu rechnen. An der Börse hat GAM rund 80% ihres Werts verloren.

Nach Meinung von Bluebell und Krupa habe das Management schlecht gehandelt und kommuniziert. Die Probleme mit Haywoods Fonds seien «nicht wegen regulatorischer oder krimineller Vergehen oder durch schlechte Investitionen entstanden», schreibt Krupa. Laut Bivona erscheine es nun so, als habe das Management durch eine Überreaktion den Vermögens- und Werteinbruch selbst herbeigeführt. «Sie haben mit einer Bazooka auf eine Fliege geschossen.» Die Fonds wurden liquidiert, das Geld mit Rendite zurückgezahlt. Haywood und GAM einigten sich, rechtliche Schritte zu unterlassen.

GAM hat aufgrund der geschrumpften Ertragsbasis 2019 ein Sparprogramm von 40 Mio. Fr. durchgezogen. Das sei laut Krupa «absurd angesichts der Schäden, die entstanden sind». Es ist zu erwarten, dass CEO Sanderson noch weiter geht. Gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg könnten 40% der Belegschaft oder 350 Stellen weiteren Sparmassnahmen zum Opfer fallen. GAM äussert sich auf Nachfrage von «Finanz und Wirtschaft» nicht zu allfälligen Plänen.

Anlegern sei mit Blick auf die Aktien geraten, weiterhin an der Seitenlinie zu bleiben. Der Turnaround steckt noch in den Kinderschuhen, das Management hält einen weiteren Abfluss von Vermögen für möglich, und selbst Konkurrenten wollen sich mit einem Kauf der angeschlagenen Gesellschaft nicht die Finger verbrennen.