Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Corporate Governance
Meinungen

Aktivisten sind das Korrektiv

Meistens legen aktivistische Aktionäre den Finger auf wunde Punkte. Darum schaffen sie es, eine Gefolgschaft hinter sich zu scharen. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Clifford Padevit.

«Solange die Aktivisten den Wert des Unternehmens auf lange Sicht steigern sind Interventionen für Anleger willkommen.»

Zwei Aktionäre machen Aufstand gegen die Chemiefusion Clariant-Huntsman. Daniel Loeb will beim Nahrungsmittelmulti Nestlé (NESN 103.86 0.99%) Veränderungen anstossen. Das sind die zwei neuesten Fälle von aktivistischen Aktionären in der Schweiz und lediglich die Bestätigung, dass die Aktivismus-Welle auch in der Schweiz angerollt ist. Das Thema ist bereits so hoch oben auf der Agenda, dass sich Verwaltungsräte von Investmentbanken mit Testfällen beüben lassen.

Anleger begegnen diesen Aktivisten jedoch mit gemischten Gefühlen: Das seien doch nur Leute, die sich inszenieren und auf kurzfristigen Erfolg aus sind – zum Beispiel im Fall des Investors Rudolf Bohli, der sich beim Fondsmanager Gam sehr rasch wieder als Aktionär verabschiedete. Im Fall Loeb vs. Nestlé sieht es ganz danach aus, als hätte der Aktivist den Zeitpunkt des Angriffs sehr geschickt gewählt und darum schon kurzfristig einen Erfolg verbuchen können.

Meistens legen die Aktivisten den Finger auf wunde Punkte, etwa bei der Kostenentwicklung, der Finanzierung oder der Strategie. Mit ihrem Stil erreichen sie, was die anderen Aktionäre wie etwa Fondsmanager nicht schaffen: eine Reaktion des Unternehmens auszulösen. Gerade bei Gesellschaften mit fehlendem Ankeraktionär sind Aktivisten in der Lage, eine Gefolgschaft hinter sich zu scharen und damit zum ernstzunehmenden Angreifer aufzusteigen.

Solange die Anliegen der Aktivisten den Wert des Unternehmens auf lange Sicht steigern, sind die wortreichen und zum Teil auch schrillen Interventionen für Anleger willkommen. Die Verwaltungsräte dürfen solche Aktionäre nicht ignorieren, sondern müssen ihre Forderungen ernsthaft prüfen. Darum sind aktivistische Aktionäre ein wirksames Korrektiv.