Unternehmen / Energie

Jens Alder hat Aktionärsrevolte am Hals

Der aktivistische Investor Knight Vinke ist bei Alpiq eingestiegen und stellt sich gegen das Übernahmeangebot. Er könnte bis vor Gericht ziehen.

Der aktivistische Investor Knight Vinke ist zurück. Sein neues Ziel: Alpiq (ALPH 70.2 0.14%). Mit einem Anteil von 1,3% am Stromversorger will er die Publikumsaktionäre gegen das Übernahmeangebot des Konsortiums um CSA aufstacheln. In einem Brief an den Alpiq-Verwaltungsrat (VR), der «Finanz und Wirtschaft» vorliegt, schreibt der Chef von Knight Vinke, Eric Knight: Alpiq solle an der Börse bleiben, das Angebot sei viel zu mager, und VR-Präsident Jens Alder habe als Vertreter der Minderheitsaktionäre versagt.

Knight ist hierzulande kein Unbekannter. Bis 2015 versuchte er UBS (UBSG 11.185 0%) dazu zu bringen, ihre Investmentbank abzuspalten. Das Management blieb hart, Knight zog sich nach eigenen Worten zumindest mit einem Gewinn aus dem Investment zurück. Es ist ein Muster, das für Knight bezeichnend ist.

Ebner draussen

Bisher sieht die Lage bei Alpiq derart aus: CSA Energie-Infrastruktur Schweiz, Teil der Credit Suisse (CSGN 12.165 -0.73%) Anlagestiftung, kontrolliert zusammen mit kooperierenden Aktionärsgruppen rund 88% an Alpiq. Sie bieten für die restlichen Aktien 70 Fr. je Titel, die auf dem Allzeithoch 2008 stolze   765 Fr. kosteten. Die Frist läuft bis 9. September. Die Übernahme soll bis 9. Oktober abgeschlossen werden, dann soll Alpiq von der Börse genommen werden.

Ab 98% Aktienbesitz können CSA und Co. einen Squeeze-out vollziehen, bei dem sie die restlichen Aktionäre zu 70 Fr. gegen ihren Willen aus dem Aktionariat drängen. Wie FuW erfahren hat, weiss Knight wohl die Hälfte der verbleibenden 12% der Publikumsaktionäre hinter sich, was einen Squeeze-out verhindern würde. Martin Ebner ist mit dem Vehikel Patinex nicht darunter. Er hat seine Anteile  nicht angedient, sondern verkauft, heisst es auf Anfrage. Ab 90% besteht für CSA allerdings die Möglichkeit einer Abfindungsfusion (Squeeze-out Merger), was für CSA nach eigenem Bekunden eine Option ist.

Knight schreibt, er «und andere Investoren» wollten als langfristige Anleger am Potenzial Alpiqs weiter teilhaben. Alpiq brauche auch in Zukunft Kapital. In diesem Kontext sei es «opportunistisch» und offenbare einen «Mangel an Vision», das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Dadurch würde der VR dem Ruf des Unternehmens «irreparablen Schaden» zufügen, die Tür für einen erneuten Börsengang verschliessen und Alpiq vom Kapitalmarkt abschneiden.

Knight will das Gespräch mit Alpiq-VR und Konsortium suchen. Sollten sie nicht einsichtig sein, behält er sich dem Vernehmen nach den Gang ans Gericht vor. Knight zielt dabei auf die Schwachpunkte des Übernahmeangebots: die Bewertung und die Corporate Governance. Er schreibt: «Wir und andere Investoren glauben, dass das Angebot das Unternehmen massiv unterbewertet, und werden deshalb unsere Aktien nicht andienen.» Knight fordert eine neue unabhängige Beurteilung (Fairness Opinion) des CSA-Angebots. Denn zum einen sei die Fairness Opinion der Beratergesellschaft PwC «ernsthaft fehlerhaft». Zum anderen habe PwC Interessenkonflikte, da sie als Prüfgesellschaft für Credit Suisse agiere.

«Stossende» Governance

Zusammen mit dem Brief schickte Knight eine dreizehnseitige Besprechung der PwC-Bewertung durch die Gesellschaft Oxera Consulting. «Wir glauben, dass PwC möglicherweise eine Reihe von methodischen Fehlern begangen hat», schreibt Knight. Die Bewertung sei laut Oxera 50 bis 75% höher. Der Preis pro Aktie würde damit bei 105 bis 123 Fr. liegen. Der Buchwert beträgt gemäss Bloomberg 139 Fr.

Auch die gute Unternehmensführung (Corporate Governance) bei Alpiq sei laut Knight «stossend». Fast alle VR-Mitglieder seien aufgrund von Verbindungen zum Konsortium in den Ausstand getreten. VR-Präsident und CEO Jens Alder als einziges unabhängiges Mitglied habe sich «entschieden, die Aktionäre nicht über die finanzielle Angemessenheit des CSA-Angebots zu beraten». Es brauche laut Knight einen Sonderausschuss zur Verteidigung der Interessen der Minderheitsaktionäre.

Bis anhin bezeichnen Alder und der Alpiq-VR das Übernahmeangebot als «fair und angemessen». Auf Anfrage teilt ein Sprecher von Alpiq mit: Der VR werde «zu gegebener Zeit» Knights Brief behandeln. CSA und die mit ihr kooperierenden Alpiq-Aktionäre – die Elektrizitätsholding EOS und ein Konsortium um Primeo Energie – teilen mit, sie hätten Kenntnis von Knights Brief, würden sich aber weiter «auf die Umsetzung der geplanten und kommunizierten Vorgehensweise» konzentrieren. An die GV vom Mittwoch, an der eigentlich nur neue abhängige VR-Mitglieder gewählt werden sollen, will Neuaktionär Knight nach Informationen von FuW einen Beobachter schicken. Es bleibt abzuwarten, ob seine Forderungen für Diskussionsstoff sorgen werden. Den Aktienkurs liessen sie jedenfalls kalt.

Ob Knight mit seiner David-gegen-Goliath-Strategie Erfolg hat, scheint mit Blick auf seine vergangenen Feldzüge zweifelhaft. Im schlimmsten Fall könnte es zu einem jahrelangen Rechtsstreit kommen, wenn Knight überhaupt seine Drohung wahrmacht. Privatinvestoren, die keinen derart langen Atem haben, sei weiter der Ausstieg aus den Alpiq-Titeln empfohlen.

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