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Alle gegen den Yen – Mutige Contrarians vortreten!

Noch nie war der Yen so unpopulär wie heute. Die einseitige Betrachtung ist für Contrarians ein gefundenes Fressen. Lohnt sich der Mut?

Peter Rohner

Gegen den japanischen Yen zu wetten, das ist derzeit der populärste Trade. Selten herrschte bezüglich des Yens unter Bankstrategen eine solche Einigkeit: Er wird 2013 schwächer werden, denn so will es der designierte Regierungschef Shinzo Abe. Auch die Daten der US-Terminkontraktbörsenaufsicht CFTC zeigen, dass derzeit alle Yen short sind:

CFTC
Quelle: Bloomberg

Die einseitige Positionierung spiegelt sich in der Kursentwicklung. Seit Oktober hat die japanische Valuta zum Dollar 8 und zum Euro 11% verloren.
EURJPY

Quelle: Bloomberg

Derart einseitige Einschätzungen sollten vorsichtig stimmen. Und echten Contrarians leuchten die Augen.
Es gibt durchaus ein paar Argumente, den Yen noch nicht für tot zu erklären. Vor allem wenn man längere Zeitreihen betrachtet, kann von einer Trendwende noch keine Rede sein. Hier der Yen-Dollar-Kurs seit 2002:
trend
Quelle: Bloomberg

Doch gibt es ausser der Positionierung und dem Langfristtrend Argumente, die eine konträre Sicht zulassen? Was sind denn die Argumente gegen den Yen? Zuerst zur Leistungsbilanz: Im September wies Japan zum ersten Mal seit 28 Jahren ein Defizit aus und entzieht dem Yen eine wichtige Stütze. Ob das ein Trend ist, ist aber fraglich. Das Defizit ist eher die Folge der Energieimporte nach Fukushima. Sind die Atommeiler wieder am Netz, ist auch die Leistungsbilanz wieder im Plus. Im Oktober war übrigens der Spuk der negativen Leistungsbilanz schon wieder vorbei, wie die aktualisierte Grafik des monatlichen Leistungsbilanzsaldos zeigt.
CAD
Quelle: Bloomberg

Das zweite Argument ist die Erhöhung des Inflationsziels auf 2%. Mehr Inflation ist in der Theorie schlecht für die Währung, doch ob das Inflationsziel erreicht wird und ob eine aggressive Lockerung der Geldpolitik die Währung schwächt, ist höchst ungewiss. In den USA hat QE3 den Dollar sogar gestärkt. Die folgende Grafik zeigt den handelsgewichteten Kurs des Dollars zu den wichtigsten Währungen.
USD
Quelle: Bloomberg

Das schlagfertigste Instrument ist die Intervention auf dem Devisenmarkt. Die Zentralbank soll laut Wahlsieger Abe die Möglichkeit haben, auch ausländische Anleihen aufzukaufen – ähnlich wie die SNB (SNBN 5260 0.57%).

Und genau hier haben Contrarians ein Problem: Sich gegen eine Notenbank zu stellen, die eine Währung schwächen möchte, ist nicht nur konträr, sondern wohl auch Kamikaze.

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