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Blogs / Momentum 13:38 - 19.04.2017

Alle halten US-Aktien für zu teuer

Alexander Trentin
Vier von fünf Fondsmanagern finden amerikanische Titel zu hoch bewertet. Sie schichten in die Eurozone und in die Schwellenländer um.

Niemand will mehr US-Aktien halten. So kann man zumindest die neueste Umfrage unter Fondsmanagern interpretieren, die Bank of America Merrill Lynch (BofAML) monatlich durchführt. Der Anteil der Befragten, die US-Aktien übergewichten, hat gegenüber dem März um 21 Prozentpunkte abgenommen.

Dagegen gibt es deutlich mehr Anlageprofis, die Aktien der Schwellenländer (Emerging Markets, EM) und der Eurozone übergewichten.

Gemäss BofAML ist es die fünftgrösste Umschichtung von US-Aktien in Euro-Titel seit 1999. In den globalen Fonds ist die US-Aktienquote so niedrig wie seit Januar 2008 nicht mehr.

Auch Titel, die von einer konjunkturellen Erholung besonders profitieren sollten wie Grundstoffe (Materials) und Energie (Energy) sind gegenüber der März-Umfrage in Ungnade gefallen.

Wieder mehr professionelle Investoren setzen dagegen auf renditebringende Anlagen wie Versorgeraktien (Utilities) und Anleihen (Bonds).

zoomQuelle: Bank of America Merrill Lynch

Der Grund für die Unbeliebtheit von amerikanischen Titeln ist klar. Wallstreet ist zu teuer geworden. Ein Rekordwert von 83% der Befragten sieht die Region als überbewertet an.

Dagegen halten die Fondsmanager Schwellenländeraktien für günstig. Auch Japan und Europa gelten bei der Mehrheit der Befragten nicht als überbewertet.

zoomQuelle: Bank of America Merrill Lynch

Im historischen Vergleich sind die Fondsmanager nun in der Eurozone und den Schwellenländern deutlich übergewichtet. Beliebter sind derzeit nur noch die Bankaktien.

Auch das Exposure zum Dollar und zum zyklischen Konsum (Discretionary) ist deutlich höher als im historischen Durchschnitt.

Am unbeliebtesten ist der Euro, britische Aktien, das Pfund und Energietitel. Auch Anleihen werden weiterhin untergewichtet – obwohl sie im April dazugekauft wurden.

zoomQuelle: Bank of America Merrill Lynch

Im Februar erreichte der Optimismus der Fondsmanager bezüglich der Unternehmensgewinne ein Siebenjahreshoch. Dieser Optimismus ist nun zum zweiten Mal zurückgegangen. Trotzdem erwartet immer noch eine grosse Mehrheit der Befragten, dass die Profite steigen.

zoomQuelle: Bank of America Merrill Lynch

Für die gesamte Wirtschaftslage sind die befragten Profis weiterhin zuversichtlich, wenn auch etwas weniger als in den vergangenen Monaten. Nur eine Minderheit von 37% erwartet Wachstums- und Inflationsraten unter dem langjährigen Trend. Vor einem Jahr lag dieser Anteil noch über 80%.

Das Szenario Stagflation (hohe Inflation mit weniger Wachstum) sehen die meisten Fondsmanager als unwahrscheinlich – nur 18% glauben daran.

zoomQuelle: Bank of America Merrill Lynch

Mehr Wirtschaftswachstum und Inflation werden die US-Notenbank dazu ermutigen, die Zinsen erhöhen. Doch ab wann werden höhere Leitzinsen und Anleihenrenditen für die Aktienhausse gefährlich?

Kursverluste erwarten die meisten Fondsmanager erst, wenn die Rendite langfristiger Staatsanleihen über 3,5% steigt. Nur die wenigsten Befragten glauben, dass die Aktienkurse Marktzinsen von 4,5% und höher verkraften können. Von einem solchen Niveau sind die zehnjährigen US-Renditen noch ein ganzes Stück entfernt – sie liegen aktuell bei 2,2%.

zoomQuelle: Bank of America Merrill Lynch

Was sind die grössten Albträume für Fondsmanager? Das meistgenannte Extremrisiko (Tail Risk) ist weiterhin das Auseinanderfallen der Eurozone.

Doch neu bereitet auch die USA Sorgen: Immer mehr Investoren fürchten eine Verzögerung der US-Steuerreform. Das ist für Aktieninvestoren bedenklich. Denn die Erwartung deutlich tieferer Steuersätze für Unternehmen war und ist wohl einer der Haupttreiber der steigenden Kurse an Wallstreet.

Zuletzt hat US-Finanzminister Steve Mnuchin in einem Interview bestätigt, dass sich die Steuerreform wegen des Rückschlags bei der Reform der Krankenversicherung verspäten wird.

Als neues Risiko für die Aktienmärkte wurde von einigen Fondsmanagern eine restriktivere Kreditvergabe in China genannt. Der schuldenfinanzierte Investitions- und Konsumboom in der Volksrepublik hat die Rohstoffpreise, die globale Konjunktur und den Welthandel in den vergangenen Monaten gestützt.

zoomQuelle: Bank of America Merrill Lynch

Noch glauben die meisten Befragten, dass die US-Steuerreform dieses Jahr beschlossen wird. Doch ein etwas wachsender Anteil erwartet eine Verzögerung bis mindestens ins nächste Jahr. Immer mehr Fondsmanager haben den Glauben an eine Steuerreform ganz aufgegeben.

zoomQuelle: Bank of America Merrill Lynch