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Allianz auf Rekordkurs

Der deutsche Versicherungsriese steckt die Schadenlasten weg und steuert einen Rekordgewinn an - ausser die Klagen von Investmentkunden enden in einer teuren Busse.

(Reuters/TH) Die Allianz (ALV 197.86 -0.76%) steckt die Folgen der Unwetterkatastrophen in Europa offenbar locker weg. Europas grösster Versicherungskonzern peilt im laufenden Jahr einen Rekordgewinn an: Das operative Ergebnis werde voraussichtlich zwischen 12 und 13 Mrd. € liegen und damit in der oberen Hälfte der bisherigen Zielspanne, erklärte die Allianz am Freitag in München. Der bisherige Bestwert von 11,9 Mrd. € stammt aus dem Jahr 2019, im Corona-Jahr 2020 war der operative Gewinn auf 10,8 Mrd. zurückgegangen. «Ich freue mich, dass alle unsere Geschäftsbereiche sehr gute Ergebnisse liefern und wir profitabel wachsen», sagte Finanzvorstand Giulio Terzariol.

Allerdings drohen dem Unternehmen Bussen, wenn der Konflikt mit Anlagekunden der Sparte Asset Management weiter eskaliert. Das Management gab den Aktionären zu verstehen, im zweiten Semester würden je nach Ausgang des Verfahrens des nun auch involvierten US-Justizministeriums erhebliche Sonderaufwendungen entstehen.

Gut 600 Mio. € haben Naturkatastrophen die Allianz allein im zweiten Quartal gekostet. Die Flutkatastrophe durch das Tief «Bernd» im Juli belastet das laufende dritte Quartal mit rund 400 Mio. €. Dabei kann die Allianz offenbar einen Teil an die Rückversicherer abwälzen: Die Deutschland-Tochter hatte den Schaden auf mehr als eine halbe Milliarde beziffert.

Trotzdem legte die Allianz im zweiten Quartal einen Gewinnsprung hin, auch weil die Belastungen der Corona-Pandemie wegfielen. Von April bis Juni erwirtschaftete der Versicherer ein operatives Ergebnis von 3,3 Mrd. €, das nicht nur um 29% höher ausfiel als im Vorjahr, sondern auch die Analystenerwartungen weit übertraf. Sie hatten der Allianz im Schnitt 3,06 Mrd. € zugetraut. Der Nettogewinn stieg sogar um 46% auf 2,2 Mrd. €.

Die wachsende Zuversicht hatte sich angedeutet: Die Allianz beginnt nach der erzwungenen Pause wieder mit Aktienrückkäufen. Bis Ende des Jahres will sie eigene Aktien für 750 Mio. € aufkaufen. Die Finanzaufsicht BaFin, die die Versicherer gedrängt hatte, in der Krise ihr Geld zusammenzuhalten, hat nun nichts mehr dagegen. Die Ankündigung liess die Allianz-Aktie im Späthandel am Donnerstag bereits kräftig anziehen. Die Allianz hatte ihr 1,5 Mrd. € schweres Aktienrückkaufprogramm in der ersten Corona-Welle auf halbem Weg abgebrochen, nun holt sie praktisch den zweiten Teil nach.

Der Umsatz, also die Summe aus Versicherungsprämien und Fondsgebühren, stieg im zweiten Quartal um 11% auf 34,3 Mrd. €. Umsatztreiber war die Lebens- und Kranken-Sparte, die mehr fondsgebundene Lebensversicherungen verkaufte. In der Sachversicherung lobte Terzariol vor allem den «Fokus auf Zeichnungsdisziplin und Produktivität». Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich auf 93,3 (2020: 95,5) Prozent. Die Industrie-Sparte AGCS hat die Preise erhöht und kehrte in die Gewinnzone zurück. Die Asset-Management-Sparte mit den Vermögensverwaltern Pimco und Allianz Global Investors warb netto 26 Mrd. € frisches Geld ein. Dadurch und durch Kurssteigerungen wuchs das für Dritte verwaltete Vermögen um 56 Mrd. auf 1,83 Bio. €.