Zum Thema: «Konkurs ist für Alpiq kein Thema»

Alpiq steht noch eine längere Durststrecke bevor

Kein anderer kotierter Schweizer Versorger ist mit seinem Geschäftsmodell so stark international und auf Grosshandel ausgerichtet wie Alpiq (Alpiq 83 -0.6%). Diese Strategie schien zur Unternehmensgründung im Jahr 2009 wegen hoher Börsenpreise für Strom erfolgversprechend. Doch der Zerfall der Preise für Elektrizität schickte Versorgeraktien auf Talfahrt. Alpiq war überdurchschnittlich stark betroffen. Das Unternehmen verkaufte in mehreren Restrukturierungsphasen Assets im In- und Ausland und baute die hohe Verschuldung Schritt für Schritt ab. Hybridkapital verschaffte Alpiq vor fünf Jahren Luft.

Doch die Frankenaufwertung Anfang 2015 sorgte für neuen Druck. Investoren, die bis zu 49% am Wasserkraftportfolio übernehmen sollten, fanden sich nicht. Alpiq änderte die Strategie und kündigte im vergangenen Jahr an, die Wachstumsfelder für Investoren öffnen zu wollen. Inzwischen ist ein Käufer gefunden. Der französische Baukonzern Bouygues Construction übernimmt für 850 Mio. Fr. das gesamte Industriegeschäft von Alpiq, bestehend aus Alpiq InTec und der Kraftanlagen-Gruppe. Weitere Verkäufe soll es vorerst nicht geben. Wenn die Transaktion wie geplant im zweiten Semester vollzogen wird, ist Alpiq frei von Nettoschulden – zumindest dann, wenn Hybridkapital über rund 1 Mrd. Fr. dem Eigenkapital angerechnet wird.

Die Aussichten für börsengehandelten Strom haben sich in den vergangenen Monaten gebessert. Dies hängt mit dem bevorstehenden Wegfall von Kapazitäten zusammen, sowie Reformen am europäischen Emissionshandelssystem. Der CO2-Preis hat einen grossen Einfluss auf die Strompreise im Handel, neben dem Preis für Kraftwerkskohle und der Kapazität der Anlagen.

Dennoch dürfte diese Entwicklung vorerst nicht für eine nachhaltige Besserung bei Alpiq genügen. Deren Schweizer Produktion kam 2017 inklusive aller Kosten auf einen Verlust von 180 Mio. Fr., auch für die kommenden Jahre dürften Mittel abfliessen. Eine Dividende zahlt Alpiq seit 2015 nicht mehr. Dagegen wird die öffentliche Hybridanleihe mit einem Coupon von derzeit 5% verzinst.

Das Unternehmen hat noch eine Durststrecke von mindestens zwei Jahren vor sich. Jetzt schon auf die Erholung von Alpiq zu setzen, scheint verfrüht. Kritische Punkte sind der geringe Streubesitz (12%) und die komplexe Aktionärsstruktur, die rasche, angemessene Entscheide erschwert.

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