Märkte / Makro

Alternative Anlagen werden flügge

Im anhaltenden Umfeld von Negativzinsen werden alternative Anlagen immer wichtiger – so wichtig, dass sie mit klassischen Investments verschmelzen, sagt der Branchenverband der Asset-Manager.

Alternative Anlagen in Immobilien, Infrastruktur und Private Equity werden gemäss dem Alternativanlageausschuss des Fonds- und Asset-Management-Verbands (Sfama) sowohl als Ergänzung zu traditionellen Anlagen als auch zur Diversifikation an Bedeutung gewinnen. Das könnte sogar so weit gehen, dass in wenigen Jahren niemand mehr zwischen traditionellen und den sogenannten alternativen Investments unterscheidet, erklärte Robert Mellor, Partner von PricewaterhouseCoopers (PwC), an einer Medienveranstaltung von Sfama.

Das Tiefzinsumfeld und volatile Aktienmärkte stellen Pensionskassen und andere institutionelle Anleger vor grosse Herausforderungen und ein strategisches Dilemma. Die Nachfrage nach Anlagen mit einer angemessenen Risikodiversifikation und hoher Rendite steigt. Laut Hans-Jörg Baumann, Gründungspartner und Vorsitzender von Swiss Capital Alternative Investments und Leiter des Sfama-Fachausschusses, bieten alternative Anlagen vor diesem Hintergrund sowohl permanente als auch zyklische Lösungen.

Strategisches Dilemma

Die Zinsen auf Staatsanleihen bewegen sich auf historischen Tiefst. Aufgrund der lockeren Geldpolitik und der hohen Nachfrage nach sicheren Anlagen sind die nominalen Renditen in den USA, Europa und Japan in den negativen Bereich gefallen. Von insgesamt 89,5 Bio. $ in Bonds weisen schon fast 20% eine negative Verzinsung auf.

Demgegenüber herrscht an den globalen Aktienmärkten seit Mitte 2015 wieder eine hohe Volatilität. Das Risiko einer weiteren Korrektur ist nicht unerheblich. Gerade für institutionelle Anleger ist diese Entwicklung problematisch, da sie sowohl auf Rendite als auch auf einen angemessenen Schutz vor Risiken angewiesen sind.

Ausserhalb der Staatsanleihen nimmt zudem als Folge der Finanzkrise die Regulierung zu. Banken stocken ihre Kapitalpolster auf und schränken die Kreditvergabe ein. Seit 2008 ist daher das Kreditvolumen der Finanzinstitute weltweit fast nicht gewachsen. Die Möglichkeiten, Kapital am Markt aufzunehmen, haben sich dramatisch verringert. Damit wächst die Bedeutung alternativer Wege.

Vielfältige Anlagemöglichkeiten

Lange wurden alternative Investments nur mit Hedge Funds in Verbindung gebracht. Dabei umfasst der Begriff auch illiquidere Formen wie Private Debt, Immobilien, Private Equity und Infrastrukturinvestitionen. Grundsätzlich werden alle Anlageklassen, die nicht an liquiden, öffentlichen Märkten gehandelt werden, als alternativ bezeichnet. Dadurch korreliert ihre Performance kaum mit derjenigen von traditionellen Anlagen. Zudem sind sie in der Regel weniger reguliert, was den Einsatz von Derivaten und anderen Finanzprodukten ermöglicht. Untereinander unterscheiden sich alternative Anlagen aber deutlich in ihrer Liquidität und dem Zeithorizont.

Durch die Breite der Anlagen ergeben sich laut Baumann für institutionelle Investoren Optionen, das strategische Dilemma zu durchbrechen. So können beispielsweise Private-Debt-Engagements herkömmliche Anlagen ersetzen und die Rendite erhöhen. Darunter fallen vorrangig besicherte Unternehmensanleihen. Sie werden hauptsächlich an mittelständische Unternehmen vergeben, die zu klein sind für ein Investment-Grade-Rating. Dafür sind sie mit Sicherheiten unterlegt.

Solche Unternehmensanleihen werden zwar auch am Sekundärmarkt gehandelt, aber meist bis zur Fälligkeit gehalten. Damit sinkt die Marktvolatilität. Neben permanenten Lösungen zur Verbesserung der Rendite bieten alternative Anlagen auch zyklische Optionen. Investitionen in Hedge Funds dienen der Absicherung vor einer Krise.

Spezialisierte Konzepte erforderlich

Die Attraktivität alternativer Anlagen liegt in ihrer Vielfalt. Das wirkt sich auf die Arbeit der Asset-Manager aus. Nehme die Nachfrage nach solchen diversifizierten alternativen Portfolios wie von Sfama erwartet weiter zu, führe das zu Anpassungen in der Vermögensverwaltung. Baumann geht davon aus, dass künftig mehr auf den Kunden zugeschnittene Lösungen nachgefragt werden. Das erfordere spezialisierte Konzepte und fördere die Konsolidierung im Asset Management.

Noch weiter geht Robert Mellor von PwC. Er erwartet, dass die Unterscheidung zwischen traditionellen und alternativen Anlagen in den kommenden Jahren ganz verschwinden wird. Verschiedene Trends dürften demzufolge zu einer grundlegenden Veränderung in der Vermögensverwaltung führen.

Die demografische Verschiebung, die Urbanisierung, der Klimawandel und der technologische Fortschritt sind laut Mellor nur einige der Faktoren, die die Anlagewelt umpflügen werden. Gesundheits- und Vorsorgekosten sowie die Nachfrage nach Infrastruktur insbesondere in den Städten würden weiter steigen. Demgegenüber verlören Banken bei der Kreditvergabe an Bedeutung. Und die hohe Verschuldung vieler Staaten grenze ihre Finanzierungsmöglichkeiten ein.

In diesem Umfeld werden der Bedarf an Anlagelösungen und die Herausforderungen an die Vermögensverwaltung weiter steigen. Dennoch sieht Mellor darin die Chance, dass den Asset-Managern zukünftig eine wichtige Rolle bei der privaten Vorsorge und in der Infrastrukturfinanzierung zukommen wird. Aus alternativen Anlagen könnten so bald «Multi Asset Class Solutions» werden.