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Amerika zieht mit der Bankenregulierung nach

Diese Woche entscheidet die US-Notenbank über die Umsetzung von Basel III. Laut einem Medienbericht könnten die Behörden die Anforderungen an die Eigenkapitalquote der Grossbanken erhöhen.

Amerika macht mit Basel III Ernst. Diese Woche entscheidet der Gouverneursrat des Federal Reserve darüber, was für Eigenkapitalanforderungen künftig für amerikanische Banken gelten sollen. Das könnte auch neue Bewegung in die internationale Debatte über strengere Auflagen im Finanzsektor bringen.

Die USA sind oft ein Vorreiter, wenn es um die Umsetzung neuer Ideen geht. In der Frage nach härteren Kapitalauflagen für Banken hinken sie der internationalen Entwicklung jedoch hinterher. Das Federal Reserve als wichtigster Regulator im amerikanischen Finanzsystem hat zwar im Juni 2012 grundsätzlich beschlossen, dass das internationale Regelwerk Basel III künftig auch für amerikanische Banken gelten soll.

Ein definitiver Entscheid hat sich bislang jedoch verzögert. Das, weil in die Diskussion auch die Einlagenversicherungsbehörde Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) sowie das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) involviert sind und sich die US-Notenbank mit ihnen nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnte. Zudem gab es aus der Finanzindustrie massiven Widerstand.

Entscheidende Fragen offen

Wenn der von US-Notenbankchef Ben Bernanke geleitete Gouverneursrat des Fed am kommenden Dienstag über die Umsetzung von Basel III abstimmt, machen die USA damit einen wichtigen Schritt zur internationalen Harmonisierung der Kapitalauflagen im Finanzsektor. Unter den drei Aufsichtsbehörden habe sich inzwischen ein Konsens gebildet, dass die insgesamt rund 7000 Banken in den USA künftig eine harte Eigenkapitalquote (Tier 1 Common Ratio) von mindestens 5 bis 6% halten müssen, will das «Wall Street Journal» wissen. Es wird erwartet, dass die FDIC und das OCC in den nächsten Wochen nachziehen werden.

Der Beschluss aus den USA ist auf internationaler Ebene von Bedeutung. Anders als etwa Europa hat Amerika seine Banken nach der schweren Krise von 2008/09 zwar bereits deutlich rekapitalisiert. In der praktischen Umsetzung von Basel III stehen entscheidende Fragen aber nach wie vor offen. Dazu zählt beispielsweise, ob Positionen auf Finanzderivaten in der Bilanz künftig gegeneinander aufgerechnet werden dürfen oder mit welchem Risiko verbriefte Hypotheken gewichtet werden sollen. Während der erste Punkt vor allem für die Diskussion in Europa bedeutsam ist, spielt das zweite Thema mit Blick auf die Erholung des US-Häusermarktes eine wichtige Rolle.

Banken bereiten sich vor

Finanzkolosse wie J. P. Morgan Chase, Bank of America (BAC 44.75 +2.01%) oder Goldman Sachs (GS 390.54 +2.04%) haben sich bereits auf die Einführung von Basel III vorbereitet. Sie müssen sich einen zusätzlichen Kapitalpuffer gegen Verluste ansetzen. Besonders die schwächeren Institute Bank of America, Citigroup (C 63.18 +0.67%) und Morgan Stanley (MS 100.25 +2.08%) sahen sich deshalb in den vergangenen Jahren dazu gezwungen, sich mit Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufen zurückzuhalten.

Entsprechend gut schneiden sie nun im Branchenvergleich ab. Allerdings besteht bei der Interpretation der Kapitalberechnung bislang noch erheblicher Spielraum. Für die Branchenleader J. P. Morgan Chase und Goldman Sachs gab es derweil im Frühjahr eine Blamage, weil sie ihre Kapitalpläne nach dem Stresstest auf Anordnung des Federal Reserve noch einmal überarbeiten mussten.