Unternehmen / Schweiz

AMS profitieren von Dialog-Übernahme

Der japanische Halbleiterkonzern Renesas will den deutsch-britischen Chipentwickler kaufen. Dialog stand auch schon mit AMS in Verhandlungen.

(Reuters/TR) Der deutsch-britische Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor wird vom japanischen Halbleiterkonzern Renesas Electronics für rund 4,9 Mrd. € übernommen. Man habe sich mit Renesas auf ein Angebot von 67.50 € je Aktie geeinigt, teilte der Chip-Entwickler am Montagmorgen mit. Renesas bestätigte das Angebot.

Die bisher stark auf die Autoindustrie konzentrierten Japaner wollen damit ihr Angebot auf andere Industriebereiche von der elektronischen Steuerung von Wohnungen («Smart Home») bis zur Medizintechnik erweitern. Für Dialog ist die Übernahme die Chance, sich weniger abhängig vom Großkunden Apple (AAPL 156.81 -3.17%) zu machen.

Renesas-Aktien gaben am Montag in Tokio 3,6% nach. Zur Finanzierung der Übernahme planen die Japaner eine bis zu 270 Mrd. Yen (2,1 Mrd. €) schwere Kapitalerhöhung, der Rest soll mit Krediten abgedeckt werden. Der genannte Kaufpreis liegt gut 20% über dem Schlusskurs von Dialog vom Freitag. Dialog-Aktien waren da bereits um 6,8% auf ein Jahreshoch von 56.12 € gestiegen, nachdem ein italienischer Zeitungsbericht über ein Interesse von STMicroelectronics die Runde machte.

AMS-Papiere avancieren

Vor nunmehr sieben Jahren standen der österreichische Chiphersteller AMS, dessen Aktien an der Schweizer Börse kotiert sind, und Dialog Semi schon einmal in Verhandlungen über ein Zusammengehen. Die Gespräche scheiterten damals.

Im Zuge der Übernahme durch Renesas avancieren am Montagmorgen auch Papiere von AMS. Die Österreicher befinden sich derzeit dabei, die Übernahme des deutschen Lichtspezialisten Osram zu verdauen. Auch dieser Zukauf soll dazu dienen, die Abhängigkeit von Apple zu vermindern. AMS rapportiert am Dienstag Zahlen für das vierte Quartal. Dank starker Geschäfte mit Grosskunde Apple dürfte es im Weihnachtsquartal rund gelaufen sein.

Renesas verspricht sich von der Übernahme in den kommenden drei Jahren Einsparungen von 125 Mio. $ und einen Umsatzschub um 200 Mio. $ binnen fünf Jahren. Renesas-Chef Hidetoshi Shibata sprach von einem «wichtigen Schritt, der die Wachstumspläne von Renesas nach vorne katapultieren wird». Dialog-Chef Jalal Bagherli hofft vor allem auf die Marktmacht, den Vertrieb und die Kundenbetreuung der Japaner. Erst im August hatten die beiden Unternehmen ihre jahrelange Zusammenarbeit ausgebaut.

Die Japaner sind aus den ehemaligen Chip-Sparten der Elekronik-Konzerne Hitachi, Mitsubishi Electric und NEC entstanden. Das Unternehmen ist vor allem bei Chips für die Autoindustrie stark und hat dort bei Mikrocontrollern einen Weltmarktanteil von 30%, versucht sich aber auch in anderen Bereichen mit Übernahmen zu verstärken. Im August hatte Renesas die jahrelange Zusammenarbeit mit Dialog noch ausgebaut. 2019 hatte der japanische Chipkonzern einen Umsatz von 718 Mrd. Yen (umgerechnet 5,7 Mrd. €) erwirtschaftet, nach neun Monaten 2020 lag er auf Vorjahresniveau.

Dialog hat sich vor allem als Entwickler von Chips für den iPhone-Hersteller Apple einen Namen gemacht. Allerdings übernahm der US-Computerriese einen Teil des Geschäfts mit iPhone-Chips 2019 selbst. Bis 2022 soll der Anteil von Apple am Dialog-Umsatz deshalb auf 35 bis 40% schrumpfen. Die Wurzeln von Dialog liegen in Kirchheim/Teck bei Stuttgart. Das Unternehmen hat aber seinen offiziellen Firmensitz in London und war deshalb im vergangenen Jahr nach dem Brexit aus den deutschen Börsenindizes ausgeschlossen worden. Es ist aber weiterhin an der Frankfurter Börse gelistet.