Märkte

Noch nie begann ein Börsenjahr so schlecht

Der SMI beendet die erste Handelswoche mit kräftigen Verlusten. HBM profitieren von einem Verkauf.

Der Swiss Market Index (SMI) schliesst am Freitagabend tiefrot (-2,3%, 8257 Punkte). Seit Jahresanfang hat der Leitindex 6,4% an Wert verloren. Noch nie hat ein Schweizer Börsenjahr so schlecht begonnen wie 2016.

Zu Börsenschluss notieren alle Titel im Blue-Chip-Index im Minus. Besonders Terrain verloren haben die Valoren der Uhrenhersteller Swatch Group (Inh., –10,1%) und Richemont (–8,4%), für die das Reich der Mitte der wichtigste Abnehmer ist. Richemont hielten sich vor der am kommenden Donnerstag anstehenden Bekanntgabe der Umsatzzahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 etwas besser.

Blue Chips fallen kräftig

Stark unter Druck waren auch die Aktien der global tätigen Finanzinstitute CS Group (–9,1%), UBS (–10,6%) und Julius Bär (–9,2%). Bei der CS vermochte auch die am Freitag präsentierte neue Ergebnisstruktur nicht zu stützen. In den Titeln des letztjährigen Börsenlieblings Leonteq (–9,3%) ist es derweil zu Gewinnmitnahmen gekommen. Seit dem Allzeithoch im August 2015 haben die Aktien des Derivathauses 43% an Wert eingebüsst. Dagegen avancierten Graubündner KB (+2,1%) einmal mehr ohne Nachrichten und erreichten am Donnerstag mit 1851 Fr. ein neues Allzeithoch. Sie sind mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24 sehr hoch bewertet.

Die Assekuranzaktien hielten sich besser als der Markt. Zurich Insurance (–6,6%) korrigierten heftiger als Swiss Re, die lediglich 5% einbüssten. Gezogen hat wohl das Dividendenargument. Die Versicherer dürften auch bei nachlassender Konjunktur nur wenig an Ertragskraft verlieren.

Als zyklisch geltende Aktien verzeichneten deutliche Abgaben: ABB fielen 8,5%, OC Oerlikon 11,1%, LafargeHolcim 8,5% und Clariant 11,3%. Syngenta (–6,5%) hielten sich zwar etwas besser, vermochten aber am Freitag nicht von der Meldung zu profitieren, dass die EU dem Fungizid Solatenol wie erwartet die Zulassung erteilt hat. Syngenta schätzt das Umsatzpotenzial von Solatenol in Europa auf 200 Mio. $. Die Aktien Transocean (–15,1%) gaben in der zweiten Wochenhälfte im Gefolge des erneut schwächeren Ölpreises markant nach.

Auch die Krisenfesten leiden

Selbst defensive Titel wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Pharma-Blue-Chips Novartis verloren 5,4%, obwohl sie von den J.-P.-Morgan-Analysten auf die «European Focus List» gesetzt wurden. Sie empfehlen die Aktien auch weiter zum Kauf. Roche präsentierte solide Studiendaten für die Krebsimmuntherapie Atezolizumab gegen fortgeschrittenen Blasenkrebs, die Genussscheine büssten aber ebenfalls 4,8% an Wert ein. Wie viele der Pharmatitel waren auch Actelion (–4,4%) schwach. In Galenica (–6,3%), die letztes Jahr mehr als 80% avanciert waren, dürften Gewinnmitnahmen belastet haben. Einzig HBM Healthcare kletterten dank des Verkaufs eines Unternehmens 2,7%.

In Lindt & Sprüngli (PS, –8,4%) sind vor der am nächsten Donnerstag stattfindenden Präsentation der Umsatzzahlen offenbar Anlagegewinne abgeschöpft worden. Auch Nestlé (–5,7%) vermochten sich dem schwachen Marktumfeld nicht zu entziehen.

Apple belastet AMS

Dass Apple die iPhone-6s-Produktion drosseln soll, liess die Aktien des Halbleiterherstellers und Apple-Zulieferers AMS gleich 12,7% tauchen. Auch Temenos (–10,2%) waren schwach: Der zuständige UBS-Analyst empfiehlt die Aktien des Bankensoftwareanbieters neu zum Verkauf. Die Fundamentaldaten seien ansprechend, doch die Risiken seien ungenügend eingepreist.

Der Einstieg eines neuen Investors hat Leclanché (+29,3%) auch in der zweiten Wochenhälfte und gegen den Markttrend beflügelt. Vergangene Woche hat der chinesische Investor Jia Yufeng einen 30%-Anteil am Batterienhersteller übernommen.

Öl rauf, Gold runter, Franken-Dollar-Parität

In Frankfurt fällt der Dax nach zwischenzeitlichen Gewinnen ebenfalls deutlich und schliesst 1,3% im Minus. Mit einem Wochenminus von 8,3% erlebt auch der deutsche Leitindex seinen bisher schlechtesten Auftakt.

Die wieder steigenden Kurse an den chinesischen Börsen ermuntern Anleger ebenfalls zum Wiedereinstieg in den Rohstoffmarkt. Die Rohölsorte Brent gibt die Gewinne ab und notiert um 17 Uhr auf 33.28 $ je Barrel und liegt damit etwas weniger als zwei Dollar über seinem Zwölfjahrestief vom Vortag.

Der Preis für das US-Öl WTI rutschte in der Spitze ebenfalls 1,7% auf 32.70 $ je Fass ab.

Die zwischenzeitliche Entspannung der Lage an den internationalen Aktienbörsen schmälert die Attraktivität von Gold als sicherem Hafen. Es verbilligte sich 0,7% auf 1102 $ je Feinunze. Wegen der Kursturbulenzen an den chinesischen Börsen hatte sich das Edelmetall in den vergangenen Tagen um mehr als 4% verteuert.

Der Euro hat nach dem starken Zuwachs der vergangenen Tage am Freitag zum US-Dollar wieder etwas nachgegeben. Die Gemeinschaftswährung kostet am Freitagnachmittag 1.086 $. Zum Franken hält sich der Euro bei 1.085 Fr. stabil. Das Dollar-Franken-Währungspaar kratzt somit wieder an der Parität.

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