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Twint und Paymit sprechen über Fusion

Schweizer Banken und Detailhändler wollen eine gemeinsame Lösung für den digitalen Zahlungsverkehr. Die internationale Konkurrenz steht schon am Start.

Längere Zeit sah es nach einem Zweikampf der mobilen Bezahllösungen in der Schweiz aus. Paymit, ein Produkt der Börsenbetreiberin SIX, der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und UBS, gegen die PostFinance-Tochter Twint. Doch plötzlich herrscht Gesprächsbereitschaft über eine gemeinsame Lösung, wohl auch weil die internationale Konkurrenz in den Startlöchern steht.

Es ist eine Phalanx, die sich sehen lassen kann. Die fünf grössten Schweizer Banken Credit Suisse, UBS, ZKB, Raiffeisen und PostFinance spannen mit der Börsenbetreiberin SIX und den Detailhändlern Coop und Migros sowie der Swisscom zusammen. «Die Gespräche sind ergebnisoffen.» Gemeinsam wollen sie eruieren, wie ein «kundenfreundliches mobiles Zahlungssystem kanalübergreifend und rasch in der Schweiz verbreitet werden kann», wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Medienmitteilung hervorgeht.

Apple Pay auf dem Vormarsch

Vergangenes Jahr lancierten sowohl die PostFinance als auch die SIX ihre Mobile-Payment-Lösungen. Verschiedene Banken in der Schweiz nahmen die Angebote auf und integrierten sie in ihr Mobile-Banking-Angebot. Während Paymit zunächst auf das Geldversenden zwischen zwei Personen abstellte, drängte Twint direkt an die Ladenkasse mit eigenen Bluetooth-Schnittstellen in einer Vielzahl von Coop-Filialen. Ein flächendeckendes mobiles Zahlungssystem mit einheitlicher Technologie fehlt für die Schweiz jedoch bisher.

In der Vergangenheit war von beiden Seiten – Twint- sowie Paymit-Macher – die Rede, dass eine gemeinsame Lösung für den kleinen Schweizer Markt sinnvoller wäre als ein aufreibender Zweikampf. Erst recht, wenn ein lachender Dritter im Hintergrund lauert. Der Computer- und Smartphone-Riese Apple hat laut der Markenregistrierung des Eidgenössischen Instituts für geistiges Eigentum seine Mobile-Payment-Lösung Apple Pay am 22. Februar eingetragen.

Ergebnisse Anfang Mai

Dem wollen die Standortakteure nun etwas entgegensetzen. Laut Mitteilung könnte die gemeinsame Lösung von allen Kundinnen und Kunden verwendet werden und stünde sämtlichen Händlern, Banken, Herausgebern von Zahlkarten sowie weiteren Marktteilnehmern offen. Über die ersten Ergebnisse wollen die beteiligten Parteien spätestens Anfang Mai informieren.

In der Zwischenzeit gehen die Entwicklungen der beiden Lösungen unverändert weiter. Angekündigte neue Funktionen von Twint (digitale Stempelkarten, Couponing, Direktanbindung Konto) und Paymit (Bezahlen am Verkaufspunkt, In-App-Payment, Bezahlen im E-Commerce) werden unabhängig vom Fortgang der Gespräche wie geplant eingeführt.

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