Märkte / Makro

Angstbarometer der Wallstreet schnellt hinauf

Die Anleger sind nervös, der Volatilitätsindex Vix ist so markant gestiegen wie zuletzt im Oktober. Grund dafür ist der Handelsstreit.

Anfang Woche ist das Angstbarometer der Wallstreet in die Höhe geschossen. Der Volatilitätsindex Vix ist von 12,8 am vergangenen Freitag auf 18,8 am Montag gesprungen, das ist der höchste Stand seit Ende Januar. «Mit zwei Tweets zerschmettert Donald Trump die historische Ruhe an den Märkten», titelte die Agentur Bloomberg. Der Vix sei 46% emporgeschnellt, das sei so viel wie zuletzt im Oktober, am Anfang eines «fürchterlichen Quartals» für die Aktienmärkte.

Tatsächlich ist der Sprung des Vix augenfällig. Der Index misst die erwartete Volatilität (Schwankungsbreite) des Aktienindex S&P 500 und gilt als Indikator für die Nervosität der Anleger. Sie wurden am Wochenende aufgeschreckt, weil Donald Trump höhere Zölle für Produkte aus China androhte.

Bis Dienstag hat der Vix einen Teil seines Sprungs zurückgenommen, die Anleger haben sich also ein wenig beruhigt. Nun fragt sich, ob auch das laufende Quartal für die Börsen fürchterlich wird.

Die Bezeichnung Angstbarometer und der Umstand, dass der Vix die erwartete Volatilität registriert, verleiten zu einer falschen Annahme. Ein Barometer will das Wetter vorhersagen. Der Vix hingegen ist eine Momentaufnahme für die Stimmung an der Börse. Er hat keine Prognosekraft, wie zahlreiche Studien belegen. Der Vix ist daher eher Seismograf denn Barometer.

Der Anstieg des Vix bedeutet also, dass es mit der Ruhe an den Märkten vorbei ist. Wie es weitergeht, ist offen. Dabei hat sich in den letzten Jahren ein Muster etabliert: Das Niveau der Volatilität ist gering, doch zwischendurch gibt es Spitzen. 2017 sank der Jahresdurchschnitt des Vix auf das Rekordtief von 11, das ist weit unter dem langfristigen Mittelwert von gut 19 seit Beginn der Berechnung vor dreissig Jahren. Mitverantwortlich für diese Ruhe an den Märkten ist die Liquiditätsschwemme der Zentralbanken seit der Finanzkrise.

Doch immer wieder bricht Panik aus, dann schiesst der Vix in die Höhe, um anschliessend zu sinken, wenn Anleger die Lage besser beurteilen können. Hinaufgeschnellt ist der Vix etwa beim Frankenschock im Januar 2015 und wegen der Furcht vor einer Währungsabwertung Chinas Anfang 2016. Vergangene Weihnachten, beim Tief des Börseneinbruchs, stieg der Vix auf die Spitze von 36, worauf dann bis im April historische Ruhe einkehrte.

Am Dienstagabend im späten Handel hat die Nervosität wieder zugenommen. Der Volatilitätsindex kletterte auf 21,8 und übertraf damit das Hoch vom Montag deutlich. Wie es nun weitergeht, wissen wir nicht.

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