Meinungen

Angstbarometer

Die Nerven einiger Anleger liegen blank. Doch dadurch sollten Sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Die Ampeln für den Aktienmarkt stehen für die nächsten Wochen auf Grün.»

Drei Wochen vor den US-Wahlen werden die Anleger allmählich nervös. Die Märkte haben sich in den letzten Wochen zwar gut gehalten, der S&P-500-­Index strebt gar einem neuen Allzeithoch entgegen, doch ein Blick auf den Volatilitätsindex Vix, das Angstbarometer schlechthin, zeigt, dass die Nerven einiger Anleger noch immer blank zu liegen scheinen.

Der Vix notiert auf 25. Vor der Pandemie waren es 12. Was das bedeutet? Auf einem Niveau von 12 sehen die Anleger ­gelassen in die Zukunft, 20 bedeutet Nervosität, und 25 ist schon bedenklich hoch. Warum Sie sich dadurch dennoch nicht aus der Ruhe bringen lassen sollten, zeigt ein Blick zurück.

In der Finanzkrise 2008 und zu Beginn der Pandemie stieg das Angstbarometer auf 80. 25 ist also eine massive ­Beruhigung. Dass sich der Vix noch nicht auf ein Niveau unter 20 ein­gependelt hat, ist erklärbar. Erstens dauert es oft Jahre, bis sich die Volatilität nach schweren Schocks auf ein normales Niveau einstellt. Zweitens sind Kursschwankungen in einem US-Wahljahr höher, drittens ist der Oktober historisch gesehen ein nervöser Monat, und viertens stimmt ­zuversichtlich, dass der Vix auch während der Korrektur Ende September kaum nach oben ausgeschlagen hat.

Die Ampeln für den Aktienmarkt stehen für die nächsten Wochen auf Grün. Die Gewinnsaison beginnt in den USA und in der Schweiz und dürfte positive Überraschungen ­bringen. Mich würde es zudem nicht überraschen, wenn der Markt nach den US-Wahlen – egal, wie sie aus­gehen – eine kleine (Relief) Rally  ­hinlegt. Der grosse Unsicherheits­faktor? Sie haben es erraten: Die ­Pandemie, die noch immer ziemlich unberechenbar um den Erdball tobt.