Meinungen

Anleger, aufgepasst!

Das Fed verfolgt das Ziel, die Wirtschaft über die Nachfrageseite empfindlich abzukühlen. Der Aktienmarkt spielt dabei eine zentrale Rolle. Ein Kommentar von US-Korrespondent Valentin Ade.

«Geldpolitik ist nun mal keine exakte Wissenschaft. Sie ist ein stumpfes Werkzeug.»

Was für eine Woche am US-Aktienmarkt. Das waren Kursausschläge wie zu Zeiten der Coronakrise. Am Beginn einer Zinserhöhungsphase kann das passieren. Erst recht, wenn die Notenbank Fed mit einem Zinsschritt von 50 Basispunkten aufwartet, der so zuletzt vor 22 Jahren unternommen wurde, und wenn sie zudem einen raschen Abbau ihrer riesigen Bilanz vorsieht, den es so noch nie gegeben hat.

Geldpolitik ist nun mal keine exakte Wissenschaft. Sie ist ein stumpfes Werkzeug, das eben nur über eine Seite der Preisgleichung wirkt, und dies ist nicht das Angebot. Das Fed kann leider nicht Lieferketten entstopfen, nicht mehr Öl und Gas fördern oder mehr Getreide produzieren. Es kann China nicht von seiner selbstmörderischen Zero-Covid-Politik abbringen und Putin nicht von seinem mörderischen Wahn.

Arbeitslosigkeit, Rezession, Vermögensschwund

Powell und Co. können nur über die Nachfrageseite wirken und via Zinserhöhungen die Finanzierungsbedingungen in der Wirtschaft derart restriktiv werden lassen, dass die Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen zurückgeht, sich in der Folge die Wirtschaft abkühlt und so die Inflation sinkt. Das bringt auch steigende Arbeitslosenraten mit sich und kann sogar eine Rezession auslösen.

Doch nicht nur Arbeitnehmer müssen in den kommenden Monaten aufpassen, die Aktienmärkte sind in der Rechnung des Fed kein Kollateralopfer. Die Nachfrage in einer Volkswirtschaft – das sagen einige Experten – sinkt erst wirklich, sobald Vermögenswerte, besonders Aktien, spürbar an Wert verlieren. Es dürfte also das unausgesprochene Ziel der Fed-Führung sein, den Markt noch weiter zu drücken. Anleger sollten auf der Hut sein.