Märkte / Aktien

Ans Risiko statt an die Rendite denken

Die klassische Diversifikation stösst an Grenzen. Asset Allocation nach Risiko bietet über einen ganzen Zyklus mehr.

Stéphane Monier

Der klassische Anlagemix genügt nicht mehr. Vor allem in einem angespannten Umfeld steigt die Korrelation zwischen den Anlageklassen. 

Mit der Diversifikation des Risikos kann hingegen über den gesamten Zyklus eine robuste Rendite generiert werden.

Ihre Wurzeln hat die risikobasierte Anlagestrategie in der Pensionskassenverwaltung – entwickelt im Krisenjahr 2008. So beauftragten die Teilhaber von Lombard Odier das hauseigene Investmentteam, die PK der Mitarbeitenden mit einer neuen Strategie möglichst gut vor Verlusten zu schützen. Mit einigem Erfolg: Seit Einführung des risikobasierten Ansatzes 2009 hat die PK die Renditeziele konstant erreicht und wurde zweimal (2012 und 2013) mit dem Investment and Pensions Europe (IPE) Award als beste Schweizer Pensionskasse ausgezeichnet.

Grund genug, den Ansatz auch Privatkunden zur Verfügung zu stellen.

Wie die PK, so der Private

Anlageklassen schneiden in verschiedenen Zyklusphasen unterschiedlich ab. Während im Abschwung Anleihen bevorteilt sind und Inflationsdruck Rohstoffen hilft, profitieren Aktien in einem Wachstumsumfeld. Seit den Siebzigerjahren waren im Durchschnitt nur zwei von fünf Jahren positiv für Aktien. Traditionelle Ansätze bergen so oft ein übermässiges  Aktienrisiko. Vor allem sind die Strategien in der Regel zu wenig dynamisch, denn die Finanzmärkte sind schwankungsanfälliger geworden. Portfolios mit Kapitalallokation auf verschiedene Anlageklassen, allenfalls mit monatlichen Anpassungen, bleiben je länger, je mehr hinter den Erwartungen zurück.

Der risikobasierte Ansatz stellt Risiko- statt Renditeüberlegungen ins Zentrum. Zunächst wird die Risiko- und Verlusttoleranz des Kunden evaluiert. Darauf basierend wird ein Risikobudget erstellt, dessen Kern der erwartete durchschnittliche Verlust ist, den das Portfolio im schlechtesten von zwanzig Jahren verzeichnen würde (Expected Shortfall). Obwohl diese Zeitspanne den typischen Anlagehorizont überschreitet, ist eine so lange Betrachtung gerechtfertigt, um crashartige Vorgänge in den unterschiedlichen Märkten zu reflektieren. Technisch gesehen ist der Expected Shortfall also ein aussagekräftiges Risikomass, um das tatsächliche Verlustrisiko abzuschätzen.

Mehr Quellen erschliessen

Dieses Budget gibt die Risikodiversifikation vor. Das Risiko wird auf fünf Risikokategorien verteil: Aktien aus Industrie- und Schwellenländern, Staats- und Unternehmensanleihen sowie Rohstoffe. Darauf basiert die Kapitalallokation, typischerweise wird weniger risikobehafteten Kategorien mehr Kapital zugeteilt. Während die Risikoallokation relativ statisch ist, wird die Kapitalallokation dynamisch geführt.

Das risikobasierte Portfoliomanagement beruht letztlich auf einer Smart-Beta-Strategie und zwei Arten von Alpha-Strategien: High Conviction (hoch erfolgversprechend) und Absolute Return. High Conviction umfasst Long-only-Produkte mit konstant überdurchschnittlicher Rendite (Kombination von Alpha und Beta), während mit dem Absolute-Return-Ansatz eine vom Marktzyklus unabhängige Performance angestrebt wird. Rund ein Drittel des Risikobudgets ist in der Regel in Alpha-Strategien investiert, um – im Umfeld von niedrigen Zinsen und potenziell unattraktiven Bewertungen – zusätzliche Diversifikations- und Renditequellen zu erschliessen.

Der risikobasierte Ansatz eignet sich für langfristig orientierte Anleger, die robuste Rendite suchen, aber negativen Entwicklungen nicht zu stark ausgesetzt sein wollen. Ein Investor, dessen Expected Shortfall bei 10% liegt, kann eine Rendite von Cash plus 5 bis 7% erwarten. Bei einem weniger risikobereiten Anleger mit einer Risikotoleranz von 5% liegt das Renditeziel bei Cash plus 2 bis 4%.