Frankreich kann gar nicht aus der Atomenergie aussteigen, selbst wenn es das wahrhaftig wollte: Gut 70% der im «Hexagone» erzeugten elektrischen Energie stammen aus Kernkraftwerken. Mit anderen Worten: Dieser Park an Meilern ist schlicht unersetzlich. Seit vergangenen Oktober ist denn auch klar, dass Frankreich gar nicht aussteigen will, ganz im Gegenteil – Präsident Emmanuel Macron hat verkündet, es sollten neuen Anlagen geplant und gebaut werden; schon 2023 wird ein weiteres französisches Atomkraftwerk ans Netz gehen. Die Schweiz gehört (noch) zur Spitzengruppe derjenigen Länder, deren Stromproduktion zu einem Drittel oder mehr auf Atomkraft beruht. Wie der bislang substanzielle Anteil hierzulande ersetzt werden soll, ist nach wie vor nicht glaubhaft geklärt. Deutschland, der andere Atom­aussteiger, ist mit 11% wesentlich weniger darauf ausgerichtet, fährt jedoch simultan die in der Tat umweltschädigende Erzeugung aus Kohle herunter, was Bedenken hinsichtlich der Versorgung (und, aus Schweizer Sicht, des wegfallenden Exports) wecken muss. China steht mit 5% erst am Anfang, doch bis 2027 sollen achtzehn weitere Atomkraftwerke ans Netz gehen. In Europa werden im laufenden Jahr Finnland, die Slowakei und Belarus zusätzliche Nuklearkapazitäten in Betrieb nehmen, nächstes Jahr neben Frankreich erneut die Slowakei sowie erstmals die Türkei.