Ohne den Krummdolch, den kunstvoll geschmiedeten Jambia, geht kein Jemenit, der etwas auf sich hält, aus dem Haus. Vielleicht ist der Jambia das Einzige, das die vielen unterschiedlichen Stämme äusserlich zusammenhält. Auf dem Souk al-Milh, dem Salzmarkt in der Altstadt von Sanaa, erstand einst auch mancher Tourist ein messerscharfes Souvenir (wobei der Griff vielleicht aus Kunststoff bestand statt aus Rhinozeroshorn). Das war einmal. Heute wird von Reisen ins südarabische Land dringend abgeraten: Gewalt und Chaos herrschen. Jemen, erst 1990 entstanden aus den früher souveränen Staaten Nord- und Südjemen, ist ein «Failed State».  Schon 1994 wollte sich der Süden wieder trennen, was in einen Bürgerkrieg führte. Im Norden wiederum erhoben sich Schiiten gegen die Zentralregierung. Dazu kommt Einmischung von aussen, namentlich die Intervention von Saudi-Arabien; Terrorbanden wie der «Islamische Staat» und al-Qaida mischen ebenfalls mit. Ein verworrener Dauerkrieg aller gegen alle, gemahnend an den Dreissigjährigen Krieg in Europa im 17. Jahrhundert. Wie damals ergeht es heute der Zivilbevölkerung schlecht. Vor Zeiten wurde die Gegend Arabia Felix genannt, das glückliche Arabien. Lange her. (Bild: Naftali Hilger/Keystone)