Unternehmen / Konsum

Aryzta lotet alle Optionen aus

Der Backwarenkonzern prüft sämtliche strategischen und finanziellen Möglichkeiten.

(AWP/GAH) Der Backwarenkonzern Aryzta (ARYN 0.592 -0.75%) prüft sämtliche strategischen und finanziellen Optionen. Das soll aufzeigen, welche Optionen die Gruppe habe, um den Wert zum Nutzen aller Interessengruppen zu maximieren. Das Unternehmen hofft, die Strategieüberprüfung bis Ende Juli abgeschlossen zu haben. Dazu wurde als Berater Rothschild & Co engagiert. An der Börse kommen die neusten Nachrichten sehr gut an. Die Aktien gewinnen zwischenzeitlich mehr als 5%.

Die Mitteilung vom Mittwochabend ist wohl eine Reaktion auf die jüngsten Bewegungen in Aryztas Aktionariat. Gleichentags hatte die Investmentgesellschaft Veraison, die seit Anfang Woche 7,3% am Unternehmen hält, angekündigt, eine Aktionärsgruppe mit dem spanischem Fondshaus Cobas zu bilden. Zusammen bringen es die zwei Grossaktionäre auf 17,3% der Aryzta-Titel.

Mit dem Zusammenschluss wolle man sich «aktiv für Verbesserungen in der Gesellschaft einbringen», hiess es von Veraison. Aus Sicht der neu formierten Aktionärsgruppe würden die Aryzta-Aktien derzeit zu einem deutlichen Abschlag zum Unternehmenswert gehandelt.

Stärkere Fokussierung gefordert

Die Aktionäre sind der Ansicht, «dass sich Aryzta stärker fokussieren sollte und die Komplexität der Gruppe deutlich reduziert werden muss». Veraison-Gründer Gregor Greber sagt gegenüber «Finanz und Wirtschaft», er wolle sich darüber hinaus nicht äussern.

Die Idee der Fokussierung ist nicht neu, und gemeint ist wohl der Verkauf von Unternehmensteilen. Das Nordamerikageschäft (42% des Umsatzes) etwa macht der Gesellschaft schon länger Sorgen. Aber auch der Verkauf gut laufender, lukrativer Geschäftsteile wäre eine Möglichkeit, an Mittel zu kommen.

Die Börsenbewertung sei trotz einer Kapitalerhöhung im Jahr 2018 in Höhe von 900 Mio. Fr. nochmals deutlich stärker eingebrochen als der Markt. Im laufenden Jahr haben die Aktien bis zum Mittwochabend mehr als zwei Drittel an Wert verloren. Das Vertrauen in das Unternehmen müsse laut Veraison wiederhergestellt werden.

Massnahmen zur Kostensenkung

Erst vor gut einer Woche hatte das Unternehmen wegen der Auswirkungen der Coronakrise verschiedene Massnahmen zur Kostensenkung angekündigt. Mit verschiedenen Geldgebern konnte der verschuldete Konzern zudem eine Änderung der finanziellen Zusicherungen erreichen.

Die Gruppe hat ausserdem Massnahmen getroffen, um den Barmittelbestand zu sichern. Daher habe sich die Situation bei der Liquidität verbessert, hiess es damals. Per Ende April verfügte Aryzta über liquide Mittel von 385 Mio. €.

Schliessung der Produktion

Die Massnahmen zur Senkung der Kosten umfassen unter anderem die temporäre Schliessung von insgesamt acht Produktionsstandorten, drei davon in Europa und fünf in Nordamerika. Man habe somit einen «aktiven Kapazitätsabbau entsprechend der Nachfrage» betrieben und auch etwa 30% des Personals beurlaubt. Darüber hinaus hat sich das Management für die nächsten drei Monate das Gehalt gekürzt und nutzt Unterstützungsmassnahmen von Regierungen wie Kurzarbeit.

Was es genau heisst, alle Optionen zu prüfen, und ob auch ein Verkauf möglich sei, wollte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP am Donnerstag nicht weiter kommentieren. Die Überprüfung sei aber nicht auf Druck von Aktionären veranlasst worden.

Die komplette Historie zu Aryzta finden Sie hier. »