Unternehmen / Konsum

Angriff auf den Aryzta-VR

Der grösste Aktionär des Tiefkühlbäckers will an einer ausserdordentlichen Generalversammlung Teile des Verwaltungsrats auswechseln lassen.

(AWP/RI) Die Aktionärsgruppe um den aktivistischen Investor Veraison und die spanische Fondsgesellschaft Cobas beantragt die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung, um den Verwaltungsrat mit neuen Mitgliedern «mit ausgewiesener Erfahrung in der Bäckereibranche» zu verstärken, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst.

Die vier Verwaltungsratsmitglieder Gary McGann, Dan Flinter, Annette Flynn und Rolf Watter, die mindestens seit Ende 2016 im Amt sind, sollen durch Industrieexperten ersetzt werden. Kevin Toland soll sich im Sinne einer zeitgemässen Corporate Governance künftig auf seine CEO-Funktion fokussieren können und nicht mehr dem Verwaltungsrat angehören.

Wann die ausserordentliche Generalversammlung über die Bühne gehen wird, ist noch nicht klar. Aryzta (ARYN 0.68 +2.35%) teilte in einer separaten Meldung mit, der VR werde die Anfrage sorgfältig prüfen. Veraison-Gründer Gregor Greber verwies gegenüber «Finanz und Wirtschaft» auf die Medienmitteilung und wollte sich darüber hinaus nicht äussern.

Comeback von Altbekannten

Es brauche nun Vertreter im Verwaltungsrat mit ausgewiesener Erfahrung in der Bäckereibranche, fordert Veraison. Konkret will die Aktionärsgruppe Urs Jordi, Armin Bieri und Heiner Kamps wählen lassen, wobei Urs Jordi gleichzeitig als Verwaltungsratspräsident vorgeschlagen wird. Jordi hat eine Vergangenheit bei Aryzta. Er war Head Aryzta Europe und Ex-CEO der kotierten Hiestand Holding.

Armin Bieri war ebenfalls bereits einmal für Aryzta tätig. Er war CEO von Hiestand/Aryzta Schweiz und CEO von Aryzta Food Solutions Asia Pacific, wie es in der Mitteilung heisst. Heiner Kamps wiederum baute die deutsche Bäckereikette Kamps auf.

«Der Verwaltungsrat von Aryzta hat in den letzten Jahren eine erhebliche und beständige Wertvernichtung für die Aktionäre zu verantworten», schreibt der aktivistische Investor Veraison weiter. Vier der aktuell elf Mitglieder des Verwaltungsrats seien bereits seit Ende 2016 oder länger im Amt und seien mitverantwortlich für die seit Jahren (auch nach der Kapitalerhöhung von 2018) ungelösten Probleme.

Die Aktionärsgruppe bedauere gleichzeitig, dass der Verwaltungsrat der Aryzta bisher keine echte Bereitschaft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit gezeigt habe.

 Druck aufgebaut

In den vergangenen Wochen haben Veraison und Cobas den Druck auf Aryzta erhöht und angekündigt, dass man sich «aktiv für Verbesserungen in der Gesellschaft» einbringen will. Aus ihrer Sicht werden die Aryzta-Aktien derzeit zu einem deutlichen Abschlag zum Unternehmenswert gehandelt, und das verloren gegangene Vertrauen müsse wiederhergestellt werden.

Seit Jahresbeginn haben die Aryzta-Titel an der Börse beinahe zwei Drittel ihres Werts eingebüsst. Am Mittwoch rutschten sie um 5,8% auf 0.38 Fr. ab. Vor einem Jahr kosteten sie 1.40 Fr.

Aryzta soll sich nun «stärker fokussieren», die Komplexität der Gruppe müsse deutlich reduziert werden, forderte die Aktionärsgruppe vergangene Woche. Die Lebensmittelindustrie biete auch im aktuell von Covid-19 geprägten Umfeld ein nachhaltiges Wertschaffungspotenzial.

Kampf ums Überleben

Aryzta war bereits vor der Coronakrise finanziell angeschlagen, wird aber durch die Pandemie noch heftiger gebeutelt. Bereits 2018 musste eine Kapitalerhöhung durchgeführt werden. Mit seinen Kreditgebern will der Konzern nun eine formelle Vereinbarung zur Lockerung der Kreditbedingungen unterzeichnen. Dadurch erhofft sich die Gruppe grösseren finanziellen Spielraum.

Die Gruppe teilte zudem mit, die Kosten senken zu wollen und Massnahmen zur Sicherung des Barmittelbestands zu ergreifen. Acht Werke sollen vorübergehend geschlossen werden. Davon stehen drei in Europa und fünf in Nordamerika. Etwa 30% des Personals wurden beurlaubt.

Es sollen sämtliche strategischen und finanziellen Optionen geprüft werden, hiess es letzte Woche. Als Berater sei bereits im April Rothschild & Co engagiert worden. Es werde erwartet, die Überprüfung bis Ende Juli abzuschliessen. Nun könnte mit dem Druck der Aktionäre alles etwas schneller gehen.

Leser-Kommentare

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Alarick SA 21.05.2020 - 10:34

Que du bon sens! Un retour de direction “à la Suisse” et de style de gestion Hiestand ne peuvent que faire du bien à Aryzta