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Samsung spiegelt den Abschwung von Apple

Nach Apple müssen auch die Südkoreaner ihre Prognose für das abgelaufene Jahr anpassen. Speicher und Smartphones laufen schlechter.

Die Umsatzwarnung von Apple (AAPL 199.92 3.11%) hat die Märkte vergangene Woche auf dem falschen Fuss erwischt. Nie, seitdem der Tech-Konzern aus Cupertino 2007 das iPhone vorgestellt hat, fielen die Zahlen geringer aus als prognostiziert. Doch die guten Zeiten sind vorbei – und der Abschwung im Smartphone-Sektor scheint breiter als vermutet. In der Nacht zum Dienstag meldete auch Samsung (SMSN 955.5 3.86%) Probleme. Die Südkoreaner haben im vierten Quartal 7% weniger Geräte verkauft. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

In Las Vegas trifft sich die Tech-Branche gerade auf der Consumer Electronics Show (CES). Neben vielen Geräten aus der Unterhaltungselektronik, aber auch autonom fahrenden Autos stehen Neuerungen rund um Smartphones im Mittelpunkt des Interesses. So zeigen erste Anbieter Geräte mit faltbarem Display: Diese Produkte vereinen praktisch Smartphone und Tablet – und sollen die Kauffreude der Konsumenten wiederbeleben.

Manche überholen rechts

Daran mangelt es vor allem in China. Apple-Chef Tim Cook hat das Reich der Mitte als Grundproblem für die revidierte Prognose ausgemacht. Die Statistik zeigt, dass die Chinesen zwar weiter Technologie lieben, in jüngster Zeit aber vor allem aus dem eigenen Land. Huawei ist kometengleich aufgestiegen. Dem chinesischen Anbieter ist es gelungen, durch Innovationen ins Premiumsegment vorzudringen. Vergangenen Frühling hat Huawei das erste Smartphone mit Dreifach-Kameralinse auf der Rückseite vorgestellt. Das P20 Pro hat viele überzeugt – wohl auch die Produktmanager von Apple. Derzeit kursieren erste Fotos des mutmasslich nächsten iPhone. Es hat wohl ebenso drei Linsen für bessere Bilder. Noch handelt es sich allerdings um ein frühes Vorserienmodell.

Die Newcomer Oppo und Vivo kommen bei den chinesischen Käufern ebenfalls gut an. Das mag auch an der Preisgestaltung der beiden Smartphone-Granden Apple und Samsung liegen. Die durchschnittlichen Preise insbesondere der Apfel-Company sind in jüngster Zeit nach oben geschnellt. Die übrigen Smartphone-Anbieter profitieren zwar von den höheren Preisen des Platzhirschs, sie verkaufen ihre Geräte aber dennoch deutlich günstiger.

Das bekommt auch Samsung zu spüren. Die Südkoreaner sandten am Dienstag mit ihrer Gewinnwarnung eine weitere, kleine Schockwelle an die Kapitalmärkte. Der Betriebsgewinn für das vierte Quartal wird 29% niedriger ausfallen und damit deutlich schlechter als von Analysten antizipiert. Anders als Apple macht das Samsung-Management weniger einzelne Regionen als generell zunehmende makroökonomische Unsicherheiten für diese Entwicklung verantwortlich. In der wichtigen Chipsparte des Elektronikkonzerns lässt die Nachfrage nach, im Smartphone-Geschäft sieht Samsung einen zunehmenden Wettbewerb – damit dürften allerdings ebenso die jungen, chinesischen Unternehmen gemeint sein, die mit Wucht ins Segment drängen.

AMS in stürmischer See

Zu spüren bekommen die Turbulenzen auch die Zulieferer. Samsung ist so gleich doppelt betroffen, denn der Konzern baut nicht nur Smartphones, sondern liefert auch wichtige Komponenten, etwa Speicherbausteine oder Displays. Auch die österreichische AMS (AMS 32.17 0.09%), deren Aktien an der hiesigen Börse kotiert sind, ist im schweren Fahrwasser. Obschon die Papiere im vergangenen Jahr schon sehr schwach liefen, haben sie auch im neuen Jahr schon mehr als ein Zehntel an Wert abgegeben. Weniger schwer wiegen die Neuigkeiten von Samsung, in erster Linie belastet die Schwäche von Grosskunde Apple.

Analysten haben in den vergangenen Tagen reihenweise ihre Kursziele angepasst. In der Alphaville-Kolumne des Wirtschaftsblatts «Financial Times» wird gar das Ende des Technologiesektors ausgerufen. So weit ist es noch nicht. Allerdings ist es auch noch zu früh, um eine Trendwende zu verkünden. Bis es Smartphone-Unternehmen gelingt, durch Innovationen wie biegbare Displays die Kauflaune wieder anzufachen, wird noch einige Zeit vergehen. Die jungen und wilden Chinesen sind in der Regel noch nicht börsennotiert. Anleger halten sich zurück.

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