Märkte / Emerging Markets

Asien bleibt Wachstumsmotor der Weltwirtschaft

Die Asiatische Entwicklungsbank erwartet ein leicht rückläufiges Wirtschaftswachstum in den fernöstlichen Schwellenländern. Globale Unwägbarkeiten und die chinesische Konjunktur erweisen sich als Bremsklotz.

Das Wachstum der asiatischen Schwellenländer wird durch die langsame Erholung der Industrienationen wie auch die sich abkühlende chinesische Konjunktur gebremst. Gemäss dem jüngsten Konjunkturbericht der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) wird das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Region im laufenden und im kommenden Jahr noch 5,7% expandieren.

In dem vor zwölf Monaten vorgelegten Wachstumsausblick ging das multilaterale Entwicklungsinstitut für 2016 noch von einer BIP-Expansion von 5,9% aus.

Indien legt deutlich zu

Trotz dieses leichten Rückgangs tragen die fernöstlichen Emerging Markets weiterhin 60% zum globalen Wachstum bei, wie Shang-Jin Wei, der ADB-Chefvolkswirt, am Mittwoch anlässlich der Präsentation des Asia Development Outlook in Hongkong ausführte.

Die traditionellen Industriestaaten werden gemäss Wei im laufenden Jahr 1,8% wachsen. Chinas BIP-Wachstum, das 2015 mit 6,9% auf den tiefsten Stand in einem Vierteljahrhundert gefallen ist, wird im laufenden Jahr 6,5% und 2017 noch 6,3% betragen.

Indiens Wachstum wird sich hingegen von 7,4% im laufenden auf 7,8% im kommenden Jahr beschleunigen. Unter den volkswirtschaftlichen Schwergewichten dürfte Indien damit die weltweit am schnellsten wachsende Nation bleiben. Auch Südostasien gewinnt an Schwung. Die zehn Staaten umfassende Region wird gemäss ADB-Projektionen im laufenden Jahr 4,5% expandieren. Mit erwarteten 8,4% bleibt Myanmar dabei der Wachstumsmeister ganz Asiens.

Risikozonen

Der ADB-Chefökonom wies bei seiner relativ optimistischen Konjunkturprognose aber auch auf eine Reihe von Risiken hin. So könnten Zinserhöhungen in den USA an den asiatischen Finanzmärkten für Volatilität sorgen.

Länder wie Indien und Indonesien, die seit Jahren ein Zahlungsbilanzdefizit aufweisen, bleiben auf den Zufluss von Kapital angewiesen. Global höhere Zinsen könnten einen Kapitalabfluss aus der Region auslösen und damit gewisse Länder an den Rand einer Krise treiben. Wei rief die Regierungen daher auf, das nach wie vor günstige Zinsumfeld für Strukturreformen zu nutzen.

Er wies auch auf den in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Verschuldungsgrad asiatischer Unternehmen hin. Zugenommen hätten vor allem die in Dollar denominierten Kredite, deren Bedienung durch teurer werdendes Fremdkapital erschwert werde. Das sei für Unternehmen in der Region infolge der deflationären Tendenzen bereits jetzt zumindest teilweise ein Problem geworden.

Schreckensszenario

Wei ging in seiner Präsentation zudem auf die Folgen eines unerwartet grossen Wachstumseinbruchs in China ein. Sollte das BIP der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft 4,6 Prozentpunkte auf weniger als 2% zurückgehen, so würde dies das globale Wachstum 1,75 Prozentpunkte nach unten drücken. Besonders hart getroffen würden vor allem die asiatischen Schwellenländer. Das Wachstum der USA würde 0,6 und das der Eurozone 0,65 Prozentpunkte gedrückt.

Wei sagte aber auch, dass das von ihm gezeichnete Szenario nach wie vor unwahrscheinlich sei. Doch es zeige auf, wie abhängig die Volkswirtschaften voneinander geworden seien. Eine breite internationale Koordination der Konjunkturpolitik zwinge sich damit auf. Regierungswechsel in verschiedenen Staaten könnten das allerdings zukünftig erschweren. Ohne die USA beim Namen zu nennen, wies Wei dabei wohl unter anderem auf den offenen Ausgang der amerikanischen Präsidentenwahlen hin.