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Asien trotzt den Krisenängsten

Weltbank und ADB sehen Asien trotz gestiegener Risiken auf Wachstumskurs. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Ernst Herb.

«Die heute vorherrschenden globalen Unwägbarkeiten haben viele lokale Risikofaktoren deutlicher zum Vorschein gebracht.»

Angetrieben von einem starken Binnenkonsum und einer soliden Weltwirtschaft bleiben die  asiatischen Schwellenländer auf Wachstumskurs. So zumindest lautet die Grundbotschaft der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), die in den vergangenen Tagen ihre jüngsten Konjunkturprognosen für die Region vorgelegt haben. Die Weltbank geht  für das  laufende Jahr von einem Wachstum von 6,3% aus, während die ADB mit 6% die Lage nur leicht zurückhaltender einschätzt.

Doch mehr als in den vergangenen Jahren weisen die zwei multilateralen Finanzinstitute in ihren Prognosen auf mögliche Risiken hin, die ihre Ausblicke in den kommenden Wochen und Monaten zur Makulatur machen könnten. Dies nicht nur wegen den global erhöhten geopolitischen Spannungen, sondern vor allem auch, weil die Weltwirtschaft eine kritische Phase durchläuft.

Zwar muss der lauter gewordene Streit zwischen den USA und China über wettbewerbsverzerrende Praktiken nicht unweigerlich zu einem voll ausgewachsenen Handelskrieg eskalieren. Auch können, wie sich bereits in den vergangenen Monaten gezeigt hat, die meisten Volkwirtschaften recht gut mit der straffer gewordenen Geldpolitik der US-Notenbank leben. Nicht zuletzt scheint die chinesische Regierung Fortschritte im Kampf gegen die Auswüchse im Schattenbankensystems gemacht zu haben.

Doch drohen diese Faktoren die Dynamik der nach wie vor stark von Exporten und einer grossen globalen Liquidität abhängenden Region empfindlich abzubremsen. Eine umsichtige Wirtschaftspolitik der lokalen Regierungen, die enger gewordene regionale Zusammenarbeit und nicht zuletzt eine bedachte Kommunikation der asiatischen Zentralbanken hält die fernöstlichen Konsumenten und Investoren jedoch bei Stimmung. «Glücklicherweise haben die asiatischen Volkswirtschaften die anstehenden Herausforderungen bisher gut gemeistert», attestiert denn auch die ADB.

Das ist ein Hinweis darauf, dass sich die Region zumindest teilweise von den hochindustrialisierten Staaten abgekoppelt hat. Dennoch bleibt Asien trotz der bedeutender gewordenen regionalen Finanz- und Handelsflüsse weiterhin eng mit den europäischen und amerikanischen  Märkten vernetzt. Umso wichtiger ist es, dass die Fundamente der jungen asiatischen Wachstumsmärkte weiter gestärkt werden.

So muss Indien ausgeprägter als bisher das Zahlungsbilanzdefizit senken, um damit weniger von ausländischen Kapitalzuflüssen abhängig zu werden. China muss das rasante Kreditwachstum bremsen, während durch eine Erhöhung der Sparrate der hohe Verschuldungsgrad der thailändischen und südkoreanischen Haushalte gesenkt werden muss.

Die heute vorherrschenden globalen Unwägbarkeiten haben viele lokale Risikofaktoren deutlicher zum Vorschein gebracht. Sollten diese Herausforderungen gut gemeistert werden, so könnte sich die gegenwärtig vorherrschende Nervosität am Schluss als Segen herausstellen.

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