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Assekuranz lockt mit DividendenEuropa Erst- wie Rückversicherungsaktien mit 5% Rendite und mehr – Eigenkapitalquoten steigen

Arno Schmocker

Wie die Bankaktien sind die Papiere der Versicherungsbranche mit markantem Kursgewinn ins Jahr gestartet. Darin äusserte sich nicht nur die Hoffnung auf bessere Zeiten. Die zunehmende Kaufbereitschaft der Investoren ist auch die Folge davon, dass viele Assekuranzunternehmen für das Grossschaden- und Niedrigzinsjahr 2011 Zahlen auswiesen, die weniger schlecht waren als befürchtet. Die Branche hat aus den Börsenturbulenzen vor einem Jahrzehnt gelernt und verfolgt seither eine konservativere Anlagepolitik (wobei sich gewisse Staatsanleihen als höchst problematisch entpuppt haben). Zudem wurden Reserven aufgelöst (Swiss Re), Betriebseinheiten verkauft (Axa) oder Beteiligungen reduziert (Zurich).

Durch einigermassen gehaltene Gewinne und die höhere Marktbewertung verzinslicher Wertpapiere gelang es etlichen Versicherern, mehr Eigenkapital auszuweisen. Mit einer robusten Bilanz im Rücken zahlen die Unternehmen trotz rückläufigem Gewinn eine unveränderte oder gar steigende Dividende. Eine Auswahl grösserer Assekuranzunternehmen in Europa zeigt, dass eine Rendite von 5% nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist (vgl. Tabelle).Kein neuer Befund, aber trotzdem immer noch auffallend: Die Papiere von Erst- und von Rückversicherern sind an der Börse bescheiden bewertet. Ein zweistelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist rar. Für Versicherungsaktien wird meist nicht einmal der Buchwert (ausgewiesene Eigenmittel je Aktie) bezahlt. Die Investoren glauben offensichtlich nicht an die Werthaltigkeit des Portfolios und/oder das Geschäftsmodell der Unternehmen.Auch die Zurich-Aktien sind, auf Stufe KGV, historisch niedrig eingestuft. Während sie über zehn Jahre Axa und Allianz hinter sich lassen, sieht die Performance seit Anfang 2009 weniger gut aus. Unter Martin Senn vermittelte der Konzern eine Zeit lang den Eindruck einer Wachstumsschwäche. Dieses Bild korrigiert sich nun langsam, denn 2012 werden Neuerwerbungen in aufstrebenden Ländern erstmals voll in die Rechnung einfliessen.Die grössere Kaufbereitschaft bedeutet nicht, dass die sehr attraktive Dividendenrendite von über 7% gefährdet ist, wie Senn im Interview unterstreicht. Allenfalls werde die Ausschüttung unterproportional zum Ertragswachstum steigen. Dass die Zurich-Valoren unterbewertet sind, legt auch Folgendes nahe: Die restliche Beteiligung von 12,5% an New China Life entspricht 10% der Börsenkapitalisierung des Schweizer Versicherungskonzerns.

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