Märkte / Aktien

«Asset-Management-Branche muss zusammenrücken»

Christian Staub, Managing Director BlackRock (Schweiz), unterstützt die Asset-Management-Initiative der Schweizer Branche: «Ein wichtiger Baustein, um international zu reüssieren.»

Der Finanzplatz Schweiz wird vorab mit dem Private Banking in Verbindung gebracht, das global weiterhin führend ist. Im Vergleich dazu hat das Asset Management als wichtiger Lieferant von Produkten und Dienstleistungen – etwa Anlagefonds – für institutionelle und private Investoren erheblich Marktanteile ans Ausland verloren. Sie zurückzugewinnen, ist das erklärte Ziel der Branche.  Ende 2012 legten Bankiervereinigung und Berufsverband Sfama ein Grundlagenpapier vor, wie dieses Ziel erreicht werden soll (vgl. Textbox unten). Was ist aus der Idee geworden? Wie sehen die Chancen aus Sicht des globalen Branchenleders BlackRock (BLK 696.51 +0.03%) aus? FuW sprach mit Christian Staub, seit 2014 BlackRock-Länderchef Schweiz, Deutschland, Österreich und Osteuropa. Davor hatte Staub das Zürich-Office von Pimco aufgebaut und geleitet.

Herr Staub, Asset Management ist ein allgemeiner und vielschichtiger Begriff. Wie definieren Sie ihn?
Wir unterscheiden zwischen Asset Management, definiert als institutionelles Asset Management, und Wealth Management. Das Wealth Management oder Private Banking hat direkten Kontakt zum vermögenden Privatkunden. Der institutionelle Asset-Manager hat genau das nicht. Wir haben Kontakt zu institutionellen Kunden, Pensionskassen, Versicherungen, Banken, die unsere Fonds weiter vertreiben. Diese Unterscheidung scheint mir wichtig zu sein, in der Praxis werden die Begriffe oft vermischt.

Im Private Banking ist die Schweiz globaler Spitzenreiter. Warum nicht auch im Asset Management?
Früher waren es primär Universalbanken, die das Asset Management als Teil ihres Geschäftsmodells betrieben. Dann entstanden immer mehr fokussierte unabhängige Asset-Manager. BlackRock ist ein Beispiel dafür. Sie wuchsen rasch, und heute ist das Asset Management ein hoch kompetitives Geschäft. Nicht zuletzt profitierten die fokussierten Anbieter davon, dass es den Universalbanken nicht ausreichend gelang, das Modell global auszuweiten und zu transportieren.

Was sind die Synergien? Private Banking ohne Asset Management und umgekehrt kann man sich schlecht vorstellen. Beide zielen letztlich auf ein Vermögen, dessen Volumen nicht gering ist.
Synergien sind nicht das Erste, was mir in den Sinn kommt. Ich denke eher an Partnerschaft. Das Wealth Management erkennt, was die wichtigen Erfolgskomponenten sind: die Asset Allocation, massgeschneidert auf die individuellen Möglichkeiten und Bedürfnisse des Kunden. Da setzt das Asset Management ein, mit entsprechenden Lösungen und der Selektion,  die von einem institutionellen Vermögensverwalter kommt. Es ist diese Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren. Gemäss SNB (SNBN 5'800.00 -0.68%) belaufen sich die Privatvermögen in der Schweiz auf 3500 Mrd. Fr. Das Vermögen in institutioneller Hand beziffert sich auf rund 1500 Mrd. Fr. Ein Asset Pool ist also vorhanden und damit eine erste Voraussetzung, dass das Asset Management an Statur gewinnt.

Was braucht es noch?
Zweitens braucht es Talent, also Leute, die das Geschäft von der Pike auf gelernt haben. Da ist die Schweiz nicht schlecht positioniert, selbst wenn vieles Private-Banking-lastig ist. Asset-Allocation-Themen sind zentral, was sehr viel Beratung bedeutet, aber doch nahe am eigentlichen Investment ist. Drittens braucht es ein regulatorisches Umfeld und eine Plattform, damit Investmentstrategien effizient umgesetzt werden können. Auch da sind wir gut gerüstet. Fast jedes Finanzinstrument dieser Welt kann man in der Schweiz über eine Plattform kaufen und verkaufen.

Weshalb wächst dann das Asset Management im Ausland rund doppelt so stark wie in der Schweiz?
Auch bei uns wächst der Markt, beispielsweise auf Pensionskassen- und generell auf der Vorsorgeseite. Wir zahlen als Bevölkerung nach wie vor sehr viel in dieses System ein. Wenn das Asset Management trotzdem nicht übermässig gross ist, hat es damit zu tun,  dass aus der Schweiz heraus historisch wenig institutionelle Produkte ins Ausland, in Drittstaaten, verkauft worden sind. Deshalb ist es eines der Ziele der Asset Management Initiative, die Exportfähigkeit zu verbessern.

Die Initiative ist bisher nicht weit gediehen. Wo hapert es?
Zunächst ist es schon mal begrüssenswert, dass es eine solche Initiative überhaupt gibt. Die Erkenntnis ist gereift, dass man sich als Industrie organisieren muss, um das Wachstum zu beschleunigen. Es geht um die An- und Einbindung der verschiedenen Asset-Manager in der Schweiz. Viele der Ziele haben wie gesagt die Exportfähigkeit zum Inhalt, aber auch Innovation, beispielsweise der Asset Management Park. Da soll ein Nukleus entstehen, der neue, innovative Ideen fördert. Hier bringt sich BlackRock voll und ganz ein.

Ist die Initiative der richtige Weg? Erfolg hat sie nur, wenn alle mitziehen.
Trotzdem ist es der richtige Weg, weil am Ende alle profitieren. Ich würde auch nicht sagen, dass die Branche nicht zusammensteht. Aber es braucht eine Beschleunigung bei vielen Teilprojekten, an denen wir arbeiten. Gerade der Asset Management Park, bei dessen Machbarkeitsstudie wir bei den ersten Sponsoren waren, ist ein hoch interessantes Projekt. Hochschulabsolventen sollen über einen ersten Asset Pool, über Seed-Kapital, verfügen, um ihre Idee, ihre Investmentstrategie, umsetzen zu können. Jetzt braucht es konkrete Schritte dazu.

Die strenge Regulierung stehe Start-ups in der Schweiz im Weg, wird kritisiert. Stimmen Sie dem zu?
Schaut man sich den US-Markt an, gibt es eine viel längere Historie der Regulierung von Asset-Managern und Vermögensverwaltern. Hier einen Hinderungsgrund zu suchen, wäre falsch. Die Regulierung steht Start-ups in der Schweiz nicht im Weg.

Was denn?
Notwendig ist die konkrete Verpflichtung aller grossen Marktkräfte – nicht nur zum Park, sondern zu allen anderen Zielen.

Wer bremst, Grossbanken, ausländische Anbieter, die nur am Asset Pool interessiert sind?
Detailkritik steht mir nicht zu. Sagen wir es so: Es wäre sicher hilfreich, wenn bei allen beteiligten Partnern eine stärkere Fokussierung aufs Asset Management stattfände, wenn stärker anerkannt würde, dass der fiduziarische Gedanke, die Unabhängigkeit dieser Tätigkeit, ein wichtiger Baustein ist, um international zu reüssieren. Gerade im Bereich von alternativen Anlagen – Private Equity oder Hedge Funds – entwickeln sich sehr erfolgreich unabhängige Asset-Manager in unserem Land. Aufgrund der immensen Bedeutung auf dem Finanzplatz liegt aber gerade auch auf Universalbankenebene ein enormes Potenzial in einer gemeinsamen Fokussierung, um die Schweiz im globalen Asset Management wachsen zu sehen.

Wie sehr liegt BlackRock – auch sie ist ein globaler Anbieter – die Schweiz am Herzen? Was sind die Pläne, der Beitrag zum Wachstum am hiesigen Markt?
Es ist ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells, dass BlackRock lokal Produkte anbietet. Auf unserer Schweizer Fondsleitungsplattform haben wir über 7 Mrd. Fr. in verschiedenen Anlageformen für Schweizer Kunden etabliert. Das zeigt ein starkes Commitment. Natürlich macht es keinen Sinn, als globale Organisation etwa einen S&P-500-Aktienfonds in der Schweiz zu führen. Doch komplementäre Tätigkeiten hinzuzufügen, vor allem Elemente, die für den Schweizer Kunden wichtig sind, drängt sich auf. Der Schweizer Kunde denkt in Franken, hat den SMI (SMI 11'152.84 +0.18%) und ex Schweiz eine globale Benchmark als Orientierung. Diese Sicht muss der Asset-Manager teilen. Dann geht es darum, bei traditionellen Anlagen neue Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, alternative Indizes, etwa bei Obligationen ein Land nicht nach der Schuldenhöhe, sondern der wirtschaftlichen Schlagkraft zu gewichten. Und wir sprechen über neue Konzepte: Infrastrukturinvestments, Private Equity und Private Debt. Da haben wir Teams in der Schweiz aufgebaut und sind daran, sie zu verstärken.

Was Anleger, nicht nur in der Schweiz, bewegt: Wie geht es an der Börse weiter, bewegen sich Aktien aufgrund der Anlagenot in gefährlichem Terrain?
Die Anlagenot ist nicht wegzudiskutieren. Doch man muss auch sehen, dass die Aktienhausse nach der Finanzkrise auf einem sehr tiefen Niveau eingesetzt hat. Wir halten Aktien grundsätzlich für fair bewertet und nicht für überteuert. Vor allem Europa hat aus fundamentaler und technischer Sicht noch Aufwärtspotenzial.

Wie stellen Sie sich die Normalisierung, das «End Game» an den Märkten, nach der ultraüppigen Liquiditätsschöpfung der Notenbanken und den nach wie vor hohen Staatsschulden gerade in Europa vor?
Die zentrale Antwort ist Wachstum. Es funktioniert nur, wenn die Industrienationen in Gänze wieder zu wachsen beginnen. Die USA machen es vor. Dann ist auch die Schuldenlast tragbar, das Steueraufkommen steigt, die Löhne nehmen zu und stimulieren den Konsum – so beginnt der Wirtschaftszyklus wieder zu funktionieren. Europa braucht mehr Zeit, aber auch da wird es Wachstum geben und es der EZB erlauben, die quantitative Lockerung zurückzufahren. Die Wirtschaftslage wird sich auch in Europa auf mittlere Sicht  normalisieren. Für uns ist das Glas nicht halb leer, sondern halb voll.