Zum Thema: «Asset-Management-Branche muss zusammenrücken»

Asset Management Initiative ist mehr als ein Papiertiger

Das Ziel, die Schweiz auch im Asset Management zu einem global führenden Standort zu machen, ist unbestritten. An der Umsetzung der Strategie müssen sich die Initianten jedoch Kritik gefallen lassen.

An der Ende 2012 lancierten Asset Management Initiative Schweiz scheiden sich die Geister. Nicht am Vorhaben selbst. Das Ziel ist unbestritten, in der Schweiz optimale Bedingungen zu schaffen, um das Asset Management neben dem Private Banking als Schlüsseltätigkeit für eine Vielzahl wichtiger Bank- und Finanzdienstleistungen – wie Anlagefonds, Vorsorgeprodukte, Private Equity, Hedge Funds, Private Debt etc. – auch global führend zu positionieren. Kritik wird an der Umsetzung des von der Schweizerischen Bankiervereinigung und der Swiss Funds & Asset Management Association (Sfama) erstellten Masterplans laut. Es mangle an Ernsthaftigkeit und Tempo, monieren Branchenvertreter.

Die Resultate seien bislang diffus, meint beispielsweise Werner E. Rutsch, Geschäftsleitungsmitglied von Axa (CSp 24.42 +0.64%) Investment Managers (Schweiz). Er erinnert an den Masterplan «Finanzplatz Schweiz», der unter anderem vorsah, bis zum Jahr 2015 im Finanzgewerbe 40 000 bis 80 000 neue Stellen zu schaffen. Der Vorstoss verkam zu Makulatur. Gleiches drohe auch der Asset Management Initiative, befürchtet er. Statt sich auf das Marketing und eine proaktive Kommunikation zu konzentrieren und eine Art «Swiss Trademark» im Sinne von «Intel (INTC 36.11 +1.46%) Inside» oder der internationalen «Café Latte»-Kampagne von Emmi (EMMN 918.00 -0.76%) zu schaffen, kapriziere sich die Initiative etwa darauf, sich im Detail mit der neuen Finanzgesetzgebung – Fidleg etc. – auseinanderzusetzen. Gegenüber FuW bekräftigt Rutsch, was er jüngst im Online-Finanzdienst Finews geschrieben hat: «Diese Vorlagen heisst man mehr oder weniger kritiklos gut, weil man sich damit einen verbesserten Zugang zu ausländischen Märkten erhofft.»

Statt sich Europas Regulierungsflut anzuschliessen, müsse sich der Sektor an den eigenen Stärken orientieren. Es gebe viele Erfolgsgeschichten im Schweizer Asset Management, die auch ohne erleichterten Marktzugang zum Ausland möglich gewesen seien – ein Zugang, das sei hier eingeflochten, der auch bei regulatorischem Gehorsam gegenüber ausländischen Gesetzgebern alles andere als gesichert ist. Rutsch verweist auf den Cluster rund um Pfäffikon am Zürichsee, der Family Offices und Hedge Funds umfasst, aber auch traditionelle Vermögensverwalter und Asset-Manager, wobei «das steuerfreundliche Klima eine grosse Rolle spielt», wie er betont.

«Immer noch in der Steinzeit»

Roman von Ah, Gründungspartner und CEO des unabhängigen Vermögensverwalters Swiss Rock Asset Management, forderte letztes Jahr in einem Interview mit der FuW, was auch Rutsch verlangt: eine Performancekultur, die sich von der angelsächsischen Welt unterscheidet. Für von Ah heisst das: «Weg vom Kostenminimierungswahn und vom kollektiven Verstecken hinter Indizes. Ausserdem schulische Kompetenzvermittlung in der gesamten Bevölkerung in ökonomischem Basiswissen und Finanzfragen. Da sind wir immer noch in der Steinzeit.»

Dass unter den Verbandsmitgliedern die Diskussion zur Weiterführung und Umsetzung der Initiative schwierig ist, liegt auf der Hand. Gleiches trifft für andere Vorhaben in der Finanzbranche zu: im Schweizerischen Verband für Strukturierte Produkte das Ringen um mehr Transparenz bei Derivaten zum Beispiel. Ein Graben verläuft zwischen Gross und Klein. «Die Krisenverursacher waren grosse Institute. Jetzt wird mit der regulatorischen Keule auch das Kleine plattgemacht», ärgert sich von Ah.

Was sagt Peter Grünblatt, Leiter der Asset Management Initiative der Schweizerischen Bankiervereinigung, zu den Vorwürfen? Auf Anfrage erklärt er, die Initiative verfolge ungebrochen die ursprünglichen Stossrichtungen, wenn teils auch mit angepasster Priorisierung.  Oberstes Ziel sei es, die Exportfähigkeit von Asset-Management-Dienstleistungen und Produkten aus der Schweiz zu sichern. «Das grosse Wachstum der institutionellen Anlagevermögen wird im Ausland stattfinden. Nur wenn Schweizer Asset-Manager ihre Produkte und Dienstleistungen exportieren können, können sie an diesem grossen Wachstum partizipieren.» In den vergangenen Monaten standen daher die Exportfähigkeit – mit Fidleg und Finig in der Schweiz gerade sehr aktuell – sowie die Definition von Qualitätsstandards im Zentrum. Diese Arbeiten generierten zwar nicht unbedingt Schlagzeilen, seien aber zentrale Voraussetzungen für die Zukunft des Asset Management Schweiz.

Generator von Ideen und Konzepten

Weitere Prioritäten sind ein «Asset Management Park» zur Förderung von Unternehmertum und Innovation, ein «Global Asset Management Retreat Switzerland» zur Promotion des Schweizer Asset Managements und die Etablierung eines «Think Tank Asset Management» zur Klärung der mittelfristigen Herausforderungen für das Asset Management und die Kunden, primär Vorsorgeeinrichtungen.

Die Initiative sei ein Generator von Ideen und Konzepten, betont Grünblatt – und gibt den Ball weiter: Die konkrete Umsetzung und Finanzierung der Projekte obliegt der Privatwirtschaft. «Finden sich für ein Projekt keine Investoren, wird es nicht umgesetzt.» Zum Asset Management Park meint er, Machbarkeitsstudie und Business Case lägen vor. Sobald die Finanzierung durch Investoren gesichert sei, würden weitere Details kommuniziert.