Nach dem Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 fand sich die unverhofft unabhängige Ukraine als drittgrösste Atommacht der Welt wieder. Die Regierung in Kiew wollte mit dem Teufelszeug nichts zu tun haben: Am 5. Dezember 1994 wurde in Budapest ein Memorandum unterzeichnet, in dem sich die USA, das Vereinigte Königreich und Russland verpflichten, die Souveränität und die Grenzen der Ukraine sowie diejenigen Kasachstans und Belarus’ zu achten – im Gegenzug zum Verzicht der jungen Staaten auf Nuklearwaffen. Die heutige Regierung der Ukraine dürfte bei der Lektüre des Budapester Texts ins Grübeln kommen. Der übermächtige, übellaunige Nachbar Russland verfügt über das grösste Nuklearwaffenarsenal der Welt: 1600 Gefechtsköpfe sind einsatzbereit und 2897 in Reserve; weitere 1760 sind zur Demontage ausersehen. Die Atomwaffenkammer des ewigen Gegners USA ist von ähnlicher Grösse: Die beiden Mächte könnten sich gegenseitig mehrfach in Schall und Rauch aufgehen lassen, und den Rest des Planeten obendrein. Doch man lebt und stirbt, im Gegensatz zu James Bond, nur einmal. Selbst ein kleines Dispositiv von Atomraketen ist abschreckend genug. Als Präsident de Gaulle Frankreich in den Sechzigerjahren atomar bewaffnete, sagte er sinngemäss: Es reicht, wenn ein Aggressor weiss, dass wir ihn ein einziges Mal töten können. Mal sehen, was Israel tut, kurz bevor Iran so weit ist.